Einem japanischen Soziotypen auf der Spur!

Es war zur Zeit der Oktoberfeste im März. Ich lernte bei einem Jobhunting Event eine nette bodenständige Japanerin kennen, mit der ich mich fortan ab und an zum Essen verabredete. Alles war gut. Wir unterhielten uns auf Japanisch und ich erzählte ihr Anekdoten aus meinem Leben.

Wir aßen Bismark- und Kartoffelpizza und tranken Kirschblüten-Weißbier auf dem Ikebukuro-Oktoberfest mit Strohhalm. Ich glaubte, dass ich endlich eine gescheite Person gefunden hatte, mit der man normal Umgang pflegen konnte. Doch eines Tages, bekam ich per LINE dann eine verhängnisvolle Nachricht:

„Nächstes Mal bringst du mir Englisch bei.“

Einst Freund, nun Fremde

Äh, what? Da merkte ich, ich war einem Gaijin-Hunter aufgesessen. 

Gaijin = Ausländer

Von da an hieß es Abschied nehmen. Nicht weil ich sie zum Teufel gejagt hätte, sondern weil ihr Interesse mir gegenüber plötzlich erkaltet war, als ich ihr erklärte, dass ich nunmal Deutschmuttersprachler bin und überhaupt.

Es stellte sich heraus, dass der einzige Sinn mich zu treffen darin bestand ihr Englisch aufzupolieren und sie auf den richtigen Moment wartete mir das irgendwie zu sagen.

Als sie dann merkte, dass ich nicht wirklich in ihr Beuteschema passte, war sie auch schon auf der Suche nach neuen Ausländern, um deren Englisch abzuzapfen. Es ist unnötig zu erwähnen, dass wir uns nie wieder gesehen haben und sie den kompletten Kontakt abgebrochen hatte.

GAIJIN-HUNTER? KANN MAN DAS ESSEN?

Fast. Unter einem Gaijin-Hunter versteht man allgemein eine Person, die sich extrem für Ausländer (Slang: Gaijin) interessiert und bestrebt ist, diese kennen zu lernen und mit ihnen Umgang zu pflegen, einfach nur, weil sie Ausländer sind.

Der wenig wissenschaftliche Begriff erfreut sich im Internet, im Kontext der interkulturellen Verständigung zwischen Ausländern und Japanern, großer Beliebtheit. Wobei der Ausduck immer mit einem Augenzwinkern zu verwenden ist.

Das „Ausländerjagen“ kann aus verschiedenen Motiven passieren. Mal nervtötende Motive, mal total legitime Motive.

Aus diesem Grund möchte ich das Konzept des Gaijinhunters grob in zwei Gruppen einteilen: 

1. Der nervtötende Gaijin-Hunter

2. Der legitime Gaijin-Hunter

Interkulturelle Verständigung hat einen neuen Namen: Senpai

DER NERVTÖTENDE GAIJIN-HUNTER

Der nervtötende Gaijin-Hunter ist, wie der Name schon subtil impliziert, nervtötend. Das liegt vor allem an seiner Motivation sich schon wieder an die nächste Gruppe von verirrten Touristen in Shibuya oder Internationals an der Universität ranzuschmeißen. Für den nervtötenden Gaijin-Hunter zählt nur eins: Prestigegewinn und kostenloser Englischunterricht

Was laber ich da? Prestigegewinn? Gerade damals als Austauschstudent an der Rikkyo-Universität fällt es mir immer wieder auf. Es gibt da immer diese Spezies, die sich an Ausländer ranschmeißen und versuchen das nächste Foto mit ihnen zu ergattern oder mit ihnen, vor ihrer eigenen Peer-Group, gesehen zu werden. 

Einmal kam ich aufs Dach des Seminargebäudes an der Uni und wollte mit einem deutschen Kumpel nur die Aussicht auf den Campus genießen. Da saßen dann eine Gruppe Japaner zum Picknick auf dem Rasen und tuchelten sich gegenseitig zu.

Irgendwann kamen sie auf uns zu und wollten ein Foto mit uns. Warum zur Hölle sollte man mit einem wildfremden Menschen ein Foto machen? Creepy. Doch es ist nicht schwer zu verstehen. Es geht einfach nur darum, das Foto zu haben, als Beweis für die eigene gelebte Multikulturalität

Das Foto wird dann dazu durch die sozialen Netzwerke gejagt und als Belohnung winken Likes, die das eigene Selbstwertgefühl erhöhen. Wer mit Ausländern verkehrt zeigt nämlich seine ganz besonders kosmopolitische Seite und erhält dadurch ein gewisses soziales Prestige (zumindest glaubt er oder sie das), von seiner Peer-Group oder anderen random Japanern, die dem Gaijin-Hunter normalerweise am Arsch vorbei gehen. 

Wer mit Ausländern verkehrt ist einfach „cool“ und alle können es sehen. Und dazu kommt noch, dass man dem Gaijin-Hunter unterstellt, ganz besonders gut Englisch zu können. Denn sonst könnte er sich ja nicht mit den ganzen Ausländern unterhalten, nicht wahr?

Das boostet das Gerücht von seiner sprachlichen Finesse und steigert wiederum sein Ansehen in der Gruppe und den Neid seiner Mitjapaner, die sich selbst nicht trauen, auf Englisch den Mund aufzumachen.  

Um noch ein bisschen auf dem Englischthema rumzureiten: Englischunterricht in Japan kostet viel Geld und der Gedanke, sich die Moneten zu sparen, liegt auf der Hand. Lieber geht man los und schaut wen man im British Pub aufgabeln kann, um sein eigenes Englisch auf die nächste Stufe zu bringen.

An dieser Stelle möchte ich nochmal explizit darauf eingehen, warum Ausländer in Japan eigentlich eine so große Sache sind, da ich von der Community auf Facebook darauf hingewiesen wurde (vielen Dank dafür).

All die lustigen und teils absonderlichen kulturellen Zwischenstöße entstehen nun mal dadurch, dass es einfach verdammt wenig Ausländer in Japan gibt. Und mit Ausländern meine ich die, die besonders herausstechen, also nicht unbedingt Chinesen und Koreaner, auch wenn deren Anteil trotzdem sehr gering ist. 

DER GAIJIN ALS ENGLISCHLEHRENDER CLOWN

Eine Anekdote über Japaner, die sich irgendwo in der Zwiellichtzone zwischen Normalität und Gaijin-Hunter bewegen, habe ich auch noch:

Ein Kumpel wurde in der Kansai-Region zu einer Hochzeit von Unbekannten eingeladen. Soweit, so ungewöhlich. Motivation hierzu war, ein lustiges Hochzeitsvideo zu drehen, in dem plötzlich irgendwelche random Ausländer ins Bild springen sollten, damit alle denken:

„What the fuck? Was machen denn die ganzen Ausländer da?“

Nichtsahnende Hochzeitsgäste

Er, der Gaijin, sollte sich einfach nur zum Affen machen. 

Und nein, es war nicht nur eine freundliche Einladung von kulturinteressierten Japanern. Der Ausländer sollte nur da sein, um da zu sein und die Leute zu erfreuen und die Geistreichheit des Gastgebers zur Schau zu stellen. Mein Kumpel wies auch darauf hin, dass er kein Problem damit hätte, wenn es wirklich um einen interessierten Kulturaustausch ginge, vielleicht sogar zum Spracherwerb, aber nicht um in einem Video albern herumzuhampeln, um die Hochzeitsgäste zu schocken. 

Denn ein Problem, was mir in Japan oft auffällt, ist dass sich so ziemlich die meisten Ausländer in Japan zum besseren Clown für Japaner machen (lassen). Die meisten hier wissen: der Gaijin hat keine Hemmung und wird ohne zu zögern irgendwas Bescheuertes machen. So steht dann teilweise eine Gruppe Japaner um einen Ausländer, wie Zuschauer um einen Zirkusaffen und feuern ihn an.

Viele Ausländer fehlinterpretieren, die Aufmerksamkeit, die ihnen plötzlich zuteil wird oft damit, dass sie beliebt seien. Ein Umstand, der im eigenen Land meistens nicht gegeben ist. Doch eigentlich stehen die Japaner bildlich gesprochen nur um den Ausländer rum und piksen ihn mit einem Stock an und sagen: „Komm, mach was Lustiges!“ 

Das Ende vom Lied ist, dass diese Ausländer, obwohl sie gerade noch das ganze Haus gerockt haben, plötzlich alleine dastehen, weil sich im Endeffekt doch keiner für sie interessiert. Klar, niemand sagt, dass es ein Problem ist, wenn ihr einfach lustig drauf seid und euer Leben genießt. Man kann nur sehr leicht in die „Zirkusäffchen-Schiene“ abrutschen, wenn man nicht aufpasst. 

Ähnliches findet im Datingleben statt. Ein Kumpel, der in Kansai studiert hatte, berichtete, dass du als Weißer nur auf die Tanzfläche gucken musst und schon bist du umringt von Japanerinnen. Mal abgesehen davon, dass das Wunschdenken ist, ist hier wieder der Fehlschluss, dass man ganz besonders gefragt wäre.

Im Endeffekt sitzt man nur einer Horde nervtötender Gaijin-Hunter auf, die sobald es ernst wird, genauso schnell wieder weg sind, wie sie gekommen sind. 

Aber auf dieser Illusion, dass Weiße in Japan total gefragt seien, baut die gesamte Pick-up Szene auf und Leute, die das in ihre Blogs und Seiten schreiben, um den Zuhausegebliebenen vorzumachen, in Japan würde selbst der hinterletzte Trottel endlich Anschluss finden. Und sie verdienen Geld damit. 

Ein Höhepunkt dieser ganzen Sache, war das Video von Julien Blanc, der in seinem Video behauptete, man müsse nur oft genug „Pikachu“ schreien und das Kichern der Japanerinnen dabei wäre ein Ausdruck von Zustimmung und keiner von Verlegenheit, Angst und einem „Nur-oft-genug-nicken-und-lächeln-und-dann-weg-von-hier-so-schnell-es-geht“-Gefühls. Aber das ist eine andere Diskussion.


Ich bin Gainjin-Hunter-Feuerwehr! Ich warne dich, bevor es brennt!

Fazit zum nervtötenden Gaijin-Hunter:

Es ist wie Japaner in Disneyland: Wenn sie Mickey Maus sehen, dann wollen sie natürlich ein Foto mit ihm machen. Aber sie tun es weil sie Mickey Maus lieben und nicht den schwitzenden Minijobber im Mickey Maus Kostüm.

So ist es mit Ausländern. Du als Person zählst nicht wirklich. Du bist nur etwas interessanter, weil du eben kein Japaner bist. Und das hilft dir am Ende auch nicht, allen Kansai-Geschichten zum Trotz. Du hast nur zufällig ein Mickey Maus Kostüm an.

DER LEGITIME GAIJIN-HUNTER

Doch kommen wir endlich zu positiven Dingen! Wer bis hier gelesen hat (mein Beileid und ganbatte!), wird den Eindruck gewonnen haben, dass Gaijin-Hunter total scheiß Menschen sind, die einen nur nach Strich und Faden ausnutzen wollen. Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Der legitime Gaijin-Hunter Japans steht, im Kontrast zum Nervtötenden, auf der guten Seite der Macht. Diese Personen interessieren sich auch für Ausländer, aber sind dabei nicht nervig und ihre Motive sind edler.

Ich kenne einige, die durchaus nicht so gut mit ihren Landsleuten klarkommen. Sei es, weil sie die ganze Arbeitskultur Japans mit den zig nutzlosen Überstunden und dem ständigen Gruppenzwang, als total unnötig und ineffizent empfinden oder weil sie die Schnauze voll haben, vom ewigen Gruppen- und Ausschlussdenken ihrer Umgebung. 

So viel auch immer vom „Kollektiv“ in Japan geredet wird, eigentlich geht es immer nur um die eigene Gruppe. In der Uni ist das der Hobbyclub mit Gleichgesinnten und im Arbeitsleben die Kollegen aus dem selben Jahrgang.

Zudem kommt, als wäre das ewige Gruppendenken nicht schon genug, noch ein starkes Bewusstsein für Alters-Hierarchie: Du bist Erstsemester? Dann wird dein Club dich auch zu den anderen Erstsemestern stecken. Mit den Älteren wirst du dann nicht so viel zu tun haben, egal ob du mit denen besser klarkommen würdest.

Dieses ganze Gruppendenken ist ganz nett, um die Gruppe zu managen, aber produziert dabei am laufenden Band auch Außenseiter, die nicht wissen wohin, wenn sie mit der Hierarchie nicht klarkommen oder nicht das gleiche Alter haben wie die, die eigentlich auf der selben Stufe stehen würden.    

Und was liegt da näher, wenn man schon die Schnauze voll hat, von diesen nervigen kulturellen Eigenheiten im eigenen Land? Man geht zu den Ausländern, mit denen man wohl sogar mehr gemeinsam hat, als mit seinen Landsleuten.

Andere legitime Gaijin-Hunter sind auch diejenigen, die sich wirklich für dich und deine Kultur interessieren. Das sind oft Leute, die das jeweilige Land studieren. Wenn du Deutscher bist, wirst unter den Germanisten gute Freunde finden und nette akademische Sauforgien erleben können.

Das passiert natürlich auch nicht automatisch, aber die Wahrscheinlichkeit, dass diese Leute hängen bleiben, ist viel höher. Wenn ich meinen eigenen relativ umfangreichen Bekannten- und Freundeskreis an Japanern mal durchgehe, dann sieht das folgendermaßen aus:

  1. Die besten Freunde sprechen Deutsch und waren schon/leben in Deutschland und interessieren sich für einen und die eigene Kultur.
  2. Einige Freunde sprechen Deutsch und interessieren sich ehrlich für einen und die eigene Kultur.
  3. Einige Freunde sprechen nur Englisch, aber interessieren sich trotzdem für einen und das Ausland.
  4. Viele Bekannte, bei denen die Konversation auf Japanisch stattfindet, aber das Interesse zum Ausland besteht. Manchmal wird hier die Grenze zum nervtötenden Gaijin-Hunter leicht gestreift.

Generell sind diese Leute viel umgänglicher und weniger in irgendwelchen Gruppenzwängen gefangen, die ihnen von oben herab auferlegt werden, sei es Schule oder Arbeit. Außerdem verstehen diese Leute deine Kultur viel besser und stellen seltener doofe Fragen wie:

Gibt es in Deutschland 4 Jahreszeiten? Weil die gibt’s ja nur in Japan, weil wir so besonders sind.“

Nervtötender Nervtöter

oder:

„Kannst du schwimmen? Weil ich kanns nicht.“

Anwärter für Darwin-Award

Oder sie geben auch keine seltsamen Kommentare ab wie:

Du kannst echt gut mit Stäbchen umgehen. Ich dachte nur Japaner können das.“

Gourmet a.D.

oder:

„Dein Japanisch ist echt super, auch wenn du nur Hallo gesagt hast.“

Grußentgegennehmender

Hilfe! Woran erkenne ich nervtötende Gaijin-Hunter?

Du kannst kein Japanisch? Du bist weiß? Du hast trotzdem Japaner um dich herum, die was mit dir zu tun haben wollen? Dann sind diese Leute mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit Gaijin-Hunter. Klingt jetzt erstmal negativ und irgendwie apokalyptisch, ist aber nicht abwertend gemeint. Schließlich gibt es auch die legitimen Gaijin-Hunter.

Sehen wir den Tatsachen ins Gesicht: Die meisten Japaner können kein Englisch, wie Deutsche kein Japanisch können. Dieser Fakt ist in Japan absolut normal anerkannt. Englisch zu lernen, ist für Japaner so schwer, wie für Deutsche Japanisch oder Chinesisch. Es hat eine gänzlich andere Denklogik und folgt einer unbekannten Kultur als Fundament.

Und wie viele Leute wirst du in Deutschland treffen, die Japanisch können? Und ich meine fließend und nicht: „Watashi wa Oppai dai-suki!“-Sager. Genau, nicht viele. Dazu kommt natürlich auch, dass der ganze Englisch-Unterricht in den Schulen Japans total für die Katz ist.

Du wirst, als nicht Japanisch-sprechender Ausländer, eigentlich niemals wirklich etwas mit „normalen“ Japanern zu tun haben (nicht abwertend gemeint). Zudem kommt, dass du als Ausländer total uninteressant bist, für normale Japaner.

Warum zur Hölle sollten sie sich auch mit dir abgeben wollen? Du stehst außerhalb aller „normalen“ sozialen Gruppen, dein Lebenslauf sieht wahrscheinlich total funky aus (das verwirrt total) und man unterstellt dir, dass du die sozialen Gepflogenheiten des Landes niemals verstehen wirst und man wird dir auch nicht die Chance geben, dich zu integrieren. Du wirst immer der Ausländer sein. Deal with it.

Und wenn du in Deutschland einen Ausländer siehst, gehst du ja auch nicht hin und willst sein Freund sein und sagst Dinge wie: „Oh, du kannst gut mit Messer und Gabel umgehen!“.

Sind wir ehrlich, das passiert nicht. Eher kommen PEGIDA-Anhänger mit Fackeln und Mistgabeln zu ihm, aber das ist wieder eine andere Diskussion.

Und falls du immer noch nicht überzeugt bist, dass du wahrscheinlich zum Großteil von nervtötenden Gaijin-Huntern umringt bist, dann versuche diesen Trick:

Sprich nur auf Japanisch und tu so, als könntest du kein Englisch (weil du kommst aus Nimmerland und der Englisch-Unterricht dort, hat japanische Qualität).

Wenn du dich jetzt noch ein bisschen „Japanisch“ verhalten kannst (Weintrauben schälen, In Russen-Hocke warten, Man-Bag tragen), wird dir sofort etwas auffallen:

Sobald du zu Japanisch geworden bist und niemand mehr dein Englisch anzapfen kann, wirst du total uninteressant für diese Art von Gaijin-Huntern. Dies ist eine gute Möglichkeit im eigenen Bekanntenkreis, die Spreu vom Weizen zu trennen.

Müssen wir uns schützen gegen Gaijin-Hunter?

Sollen wir jetzt alle Gaijinhunter hassen und meiden? Jein. Wenn du merkst, jemand will dich ausnutzen, dann ist es für das eigene Selbstwertgefühl sicher nicht schlecht, sich ordentliche Leute zu suchen.

Da ist es egal, ob ein japanischer Anglistik-Student zu dir kommt oder ein dicker deutscher Otaku-Junge zu einer Japanerin. Das gilt immer und überall. Und generell solltest du dieses Konzept nicht zu eng sehen. Es ist total unwissenschaftlich und eigentlich nur zur Unterhaltung da, um Klicks zu generieren. Ich glaube in wissenschaftlicher Literatur habe ich den Begriff noch nie un-ironisch in Verwendung gesehen. 

Die Zukunft der Gaijin-Hunter

In Japan ist gerade eine gefühlte Internationalisiserungswelle im Anrollen. Früher war es noch verpönt, ein Austauschstudium zu machen. Man hatte sogar schlechtere Jobchancen, weil die Chefs einem unterstellt haben, dass man sich schlechter in die japanische Arbeitskultur einfügen könne und generell zu „unjapanisch“ geworden sei (wer ist jetzt der Rassist, hä?). 

Es gibt einen Begriff für internationalisierte Japaner: BANANE. Denn diese Japaner sind zwar äußerlich „gelb“, aber innerlich sind sie „weiß“ und damit für japanische Personalmanager total unbrauchbar. Guckt mich nicht so an, ich habe diesen rassistischen Scheiß nicht erfunden, ich gebe es nur weiter. 

Aber Zeiten ändern dich. Die jungen Leute hier wollen jetzt viel mehr und unbedingt ins Ausland und wollen alles über fremde Kulturen lernen, was nicht niet und nagelfest ist.

Da sollte jeder drüber hinwegsehen, dass mal ein paar seltsame Fragen oder Kommentare kommen. Da draußen sind junge Menschen, die mehr über die Welt wissen wollen, also kommuniziert mit ihnen und vernetzt euch. Wenn ihr irgendwann das Gefühl habt, dass jemand über die Stränge schlägt und ihr nur noch dabei seid, seine Englisch-Hausaufgaben zu kontrollieren, dann ist es eure Entscheidung, was ihr noch mit der Person zu tun haben wollt.

Ich habe euch gewarnt, der Rest liegt an euch. Wichtig finde ich es noch, dass man den Japanern zeigt, dass man auch nur eine normale Person ist und sie dazu animiert, einfach ganz normal mit einem umzugehen und nicht unbedingt anfängt wie ein Äffchen zu tanzen und noch mehr Öl ins Feuer gießt.

Ich habe viele Japaner erlebt, die mit „Bier“ und „Würsten“ das Gespräch mit mir angefangen haben (weil ich bin ja Deutscher und so). Denen habe ich auch klar gemacht, dass man mich auch normale Sachen fragen kann. Manchmal wissen die Leute einfach nicht, wie sie ein Gespräch anfangen sollen und nehmen dieses ganze „Ausländer-Inländer“-Ding viel zu ernst.

Auch wenn es manchmal nervig ist, zum tausendsten Mal gedrückt zu bekommen, dass man so gut mit Stäbchen umgehen kann, ist das Leben doch da, um was zu lernen. Und nach einigen Konversationen, sollte der Gesprächspartner gemerkt haben, dass man auch nur ein Mensch ist und kein „Ausländer“. Egal, ob in Deutschland oder Japan. Also sprecht miteinander und sozialisiert euch! 

Das war es soweit erstmal mit meiner streng wissenschaftlichen Einteilung einer geheimen japanischen Spezies. Natürlich handelt es sich hier nur um meine subjektiven Beobachtungen, die ich hier gemacht habe und Dinge, die mir einfach aufgefallen sind.

Kann natürlich sein, dass andere Leute, gänzlich andere Erfahrungen gemacht haben, was super ist. Die Welt ist groß und die Menschen zahlreich. Menschen lassen sich theoretisch zwar ganz gut in Schubladen stecken, aber in der Praxis fallen diese immer wieder raus.

Deswegen, wie immer, meine Blogeinträge kritisch genießen. 

Vorsicht: geil und fettig!

Wenn ihr japanische Philosophie besser verstehen wollt, dann seht das Interview mit unserem Sensei auf YouTube!

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