TOKYOmaniacs sind nicht objektiv???
TOKYOmaniacs sind nicht objektiv???

Wir hören das Argument häufig, dass wir nicht objektiv wären oder uns zu weit aus dem Fenster lehnen. Und das wird uns als negative Kritik angekreidet.

Dazu möchte ich sagen:


A) Wir wollen (und können) nicht objektiv sein und wollen es auch nicht werden. Objektivität ist eine Illusion.

B) Unser Markenkern ist es SUBJEKTIVE Einschätzungen von Japan und dem Leben in Japan zu liefern.

C) Als ausgebildete Japanologen dürfen wir uns sehr wohl kulturelle und soziale Einschätzungen von Phänomenen in Japan erlauben, auch wenn wir nicht immer Quellen dafür haben.

Und am Ende sind das alles EINSCHÄTZUNGEN.

Wir befassen uns seit Jahrzehnten mit Japan und leben dort seit Jahren (oder haben dort jahrelang gelebt). Wir haben nicht den Anspruch wissenschaftlich zu arbeiten.

Jeder Blogger oder Vlogger darf zu jedem Thema seine Meinung sagen? Aber geht es um Japan, muss man erst die Unibibliothek auf den Kopf stellen, bevor man nur einen Satz schreiben darf?

Wir sind nicht dafür da euch wissenschaftliche Arbeiten über Japan zu liefern.

Wenn dieser Anspruch besteht, dann dürfen nun auch 99,99% aller YouTube Kanäle und Blogs jetzt bitte zumachen. Und auch der Rest, der nur Quellen benutzt, um die eigene persönliche Meinung zu bestätigen und als „objektiv“ zu verkleiden.

Der Stein des Anstoßes…

Zum Anlass:

Im obigen Corona-Video wurden wir kritisiert, dass wir Japan zu positiv darstellen. Im Blogartikel: Japan und Corona: Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen wurden wir wiederum dafür kritisiert, Japan zu negativ dazustellen (bzw. nur ich wurde kritisiert, weil ich den geschrieben habe, Denny hier, huhu!).  

Was wir verpasst haben ist es, genau diese Punkte besser rüber zu bringen und auch, was wir mit dem Kanal und dem Blog eigentlich erreichen wollen. Deswegen möchte ich das nun stärker in den Fokus rücken.

Was die TOKYOmaniacs sind und was nicht

„Objektive“ Webseiten oder Experten über Japan gibt es wie Sand am Meer. Selbst Wikipedia hat gute Einträge (viele wurden von den Japanologien selbst verfasst oder mitgestaltet). Warum sollen wir diese „objektiven“ Infos in Japan wiederkauen? Selbst ein Laie kann so Artikel über Japan schreiben oder einen Beitrag machen.

Was mir bereits in den Tagen meines alten Blogs Tokyo, der Moloch und Ich aufgefallen ist ist, dass es sehr wenige subjektive Einschätzungen und Anekdoten über Japan gibt. Japan ist objektiv gesehen eine Gesellschaft, in der die Gruppe pauschal über dem Individuum steht? Hm.

Nun schön. Und wie äußert sich das?

Wie fühlt es sich an, dann genau innerhalb dieser Gruppe zu stehen? Was passiert, wenn ich versuche „individuell“ zu sein? Und wie sieht mich das japanische Umfeld, wenn ich ja der Außenseiter, der Ausländer, bin? Und sind Japaner wirklich einfach nur kollektivistisch oder sollte man das nochmal kritischer hinterfragen? Und was ist mit den Punks im Koenji-Park?

Ich hatte immer sehr viel Spaß damit, diese feststehenden Infos mal zu sezieren und in Japan selbst auf die Probe zu stellen. Denn am Ende geben ein diese „objektiven“ Thesen nur eine Art Krücke in die Hand. Laufen muss man aber noch selber.

Objektive Infos stehen fest. Aber subjektive Erfahrungen variieren je nach Person. Und jede ist richtig für sich.

Der Mensch ist ein Subjekt, kein Objekt und daher nicht in der Lage objektiv zu sein. Egal, wie objektiv man zu sein versucht, am Ende ist die eigene Meinung doch wieder gefärbt aufgrund von Vorerfahrungen, politischer Einstellung, Lebensweise, sozialem Milieu etc. .

Deswegen maßen wir es uns nicht an OBJEKTIV zu sein.

Wir sind auch nicht die Tagesschau. Wir sind hier auch nicht mehr in der Uni.

Wir sind nur zwei Dudes, die versuchen einen Sinn zu sehen in Japan. Und die versuchen euch näher zu bringen, wie es sich ANFÜHLT als Ausländer in Japan zu leben. Alles sind nur Meinungen von uns, mal mehr, mal weniger fundiert. Mehr nicht. Und seit wann muss man persönliche Erfahrungen fundieren?

A: „Ich fühle mich heute irgendwie nicht angenommen in Japan…“

B: „Aha, kannst du das wissenschaftlich beweisen? Wo sind deine Quellen? Das kannst du nicht behaupten, wenn du kein Experte bist!“

Das Subjektive gilt vor allem für unseren YouTube-Kanal, besonders für unseren Blog und auch speziell für meine Social Media Auftritte. (Gruß Denny by the way).

Andererseits erwähnen wir genau das sinngemäß in unseren Videos, zumindest wenn es geht:

„Seid euch bewusst: wir sind keine [besonders keine Medizin- (Anm.v.Denny)] Experten. Das sind alles nur unsere persönlichen Einschätzungen. Wir können komplett falsch liegen, wer weiß das schon, in diesen unsicheren Zeiten.“

Senpai im Video: „Warum Japan besser mit Corona klarkommt als Deutschland“, 23. März 2020

Zudem möchte ich darauf hinweisen, dass jedes Video, jedes Thema, jeder Blogartikel eine Einladung ist zum Diskutieren.

Wir WOLLEN eure Meinungen hören.

Wir WOLLEN gegenteilige Meinungen hören und wir sind uns bewusst, dass wir komplett falsch liegen können und das ist okay.

Mit den unterschiedlichen Meinungen aus der Community bekommen wir auch ein besseres Bild und können euch so mehr Facetten über Japan zeigen. Sprich: unterschiedliche Anekdoten und Erfahrungen. TOKYOmaniacs ist ein Team-Effort.

Verstehen ist die Ausnahme – Missverstehen die Regel

Ein Argument, dass mir vor allem aus der japan-nahen Ecke immer wieder vor die Flinte läuft ist:

„Aber was, wenn jemand keine Ahnung hat und nur eure Infos sofort als unumstößliche Fakten über Japan ansieht?

Besonders in Japan ist mir diese naive Denkweise tatsächlich häufiger aufgefallen.

Angenommen, ein Deutscher in Japan fällt auf, weil er kein Sushi mag. Dann KANN es passieren, dass sehr viele Leute in Japan denken, dass Deutsche Sushi nicht mögen. Es wird sehr gerne vom Einzelnen auf das Ganze geschlossen. Passiert übrigens auch in Deutschland viel zu oft.

Aber wessen Problem ist das?

Wer hat schuld, dass sich die Info: „Deutsche mögen kein Sushi“ verbreitet? Ist es der Sashimi-Hasser aus Deutschland? Oder sind es eher die Leute, die einfach diese einfache Schlussfolgerung aufgestellt haben?

Aufgeklärte Japaner würden wiederum nicht zu diesem Schluss kommen, da sie sich viel mit ausländischen Kulturen beschäftigen, gerne mehrere Leute nach einer Einschätzung fragen, bevor sie sich ein Bild machen und allgemein kritischer sind.

Aha! Du behauptest also in Japan gäbe es keine Mechas????😡

Mir fällt auch auf, dass uns dann als Erwiderung auf unsere Sichtweisen gerne Dinge vorgeworfen werden, die wir nie gesagt haben.

Der Klassiker ist z.B. dass uns vorgeworfen wird, wir würden sagen, dass in Deutschland alles besser läuft als in Japan, wenn wir Japan kritisieren.

Aber wer hat das gesagt? Wir reden über Japan, also warum kommt man auf einmal mit Deutschland an? Wer sagt, dass wir Deutschland besser finden, wenn wir etwas Negatives in Japan sehen?

Lustigerweise wird uns auch vorgeworfen wir verklären Japan zu positiv, wenn wir über etwas reden, was in Japan besser läuft als in Deutschland. Ja, was denn jetzt?

Abgesehen davon, dass solche „What about“-ismen immer ziemlich schräg sind, stehen wir nicht in der Pflicht Japan auf irgendeine spezielle Weise darzustellen. Japan ist kein Zauberland und wir sind nicht verpflichtet irgendeinen Meinungs-Mainstream nachzuplappern.

Besonders Otaku fühlen sich leider oft auf den Schlips getreten, wenn wir Japan nicht als durchgeknalltes buntes Anime-Paradies hinstellen (Deine Waifus sind nicht real!😱).

Aber wie sieht Japan für uns aus?

Ich für meinen Teil beschäftige mich seit meiner Kindheit mit Japan und habe stets alle Infos aus den Büchern und den Medien aufgesaugt und hinterfragt. Ich habe über vier Jahre in Japan gelebt und gearbeitet. Senpai beschäftigt sich auch seit Jahrzehnten vor allem mit der technischen Seite Japans und lebt mittlerweile seit etwa 6 Jahren in Japan.

Nach so langer Zeit hat sich natürlich das „Wunder“ Japans relativiert. Die Menschen sind uns nicht mehr fremd. Wir können einordnen, was in Japan so passiert.

Haben wir am Anfang noch viele Unterschiede gesucht, haben wir vor allem eine menge Gemeinsamkeiten gefunden.

Dadurch ist Japan für uns vor allem: Alltag. Normalität. Vertrautheit.

Dennoch ist unser Content nur ein Puzzleteil im bunten Meer aus Japan-Erfahrungen. Wer das ganze Japan-Bild sehen will oder wenigstens einen größeren Teil, der sollte sich auch mit anderen Japan-V/Bloggern auseinandersetzen.

In diesem Sinne hoffe ich, dass alle jetzt wieder mehr den Content selbst besser wertschätzen können und ihn als eine Meinung von vielen annehmen können.

Gruß Denny (ich spreche hier hauptsächlich für mich. Senpai ist auch oft anderer Meinung als ich und das ist okay. Wir wachsen daran.)


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