Japaner trugen schon Mundschutze bevor es cool war

Es fühlt sich an wie im Film!

Kumpel – 2020, während der großen Seuche

Die meisten Leute in Deutschland werden nun von einer unbekannten Katastrophe übermannt und fühlen sich fehl am Platz. Passieren die krassen Dinge sonst nicht immer woanders?

Lange war der neuartige Corona-Virus nur eine typische Schlagzeile: Irgendwo, war irgendeine Seuche ausgebrochen. Aber eben wie immer, weit weg.

Der China-Virus! Sowas erreicht uns nicht. Sowas betrifft uns nicht. Wir sitzen ja im sicheren Deutschland.

Nun.

Kampf oder Flucht?

Was ich jetzt sehe, während der Abschottung Deutschlands, sind zwei entgegengesetzte Verhaltensweisen:

  1. Die Leute sind verunsichert und haben Angst: Wir werden alle sterben?! Haben wir genug Klopapier???
  2. Die Leute leugnen den Virus: Alles nicht so wild! Lass mal Corona-Party machen, hahaha!

Während diese zwei Extreme vor meiner Haustür wüten, sitze ich in meiner freiwillig ausgewählten Quarantäne und mahle Kaffee. Apu Café. Single Estate Bohnen der Familie Llanos aus Columbien.

Ich setze mich an einen Bildschirm und trete einem Teams Chat mit Kollegen bei. Home Office ist angesagt. Aber nicht von oben herab verordnet, sondern selbst erwählt.

Ich genieße es, ausnahmsweise nicht ewig vielen Events beiwohnen zu müssen und ein wenig in mich gehen zu können zuhause.

Warum kannst du im Angesicht der Krise so ruhig bleiben, Denny?

Das werde ich gefragt. Denn schließlich scheint gerade das ganze Land durchzudrehen und alle sind verunsichert. Da merke ich, dass ich doch noch nicht ganz in Deutschland angekommen bin.

Wenn es vorbei ist, ist es vorbei.

Eine Sache, die mich an Japan schon immer fasziniert hat ist, dass, egal welche Katastrophe droht, die Leute in Japan scheinbar immer stets besonnen und ruhig sind.

Japan ist eines der Länder auf der Welt, das, ohne Frage, von Katastrophen gebeutelt wird ohne Ende: Erdbeben. Tsunami, Taifune. Raketen aus Nord Korea. Super GAU.

Doch niemanden juckt’s. So scheint es zumindest.

Wie bereitet man sich auf eine Katastrophe vor?

(Corona-Virus Maßstab 1:1984) Die Maman in Roppongi Hills greift an! Nee, Quatsch. Sie beschützt nur ihre Jungen.

In Ikebukuro, Tokyo steht ein Katastrophen-Vorbereitungszentrum, komplett mit Erdbeben-Rüttelplatte, Feuerlöschertrainingsraum und Kursen für Wiederbelebung. Dort lernt man, wie sich ein Erdbeben anfühlt und was man grob im Falle des Falles machen kann.

Doch unbefriedigt mit den unzureichenden Antworten, fragte ich den erfahrenen Stammesältesten des Zentrums, wie man sich denn nun wirklich auf ein Erdbeben vorbereiten kann. Er sagte:

Ihr müsst euch von hohen Gebäuden fernhalten!

Alter Mann – Anno 2015

Als wir fragten, wie das denn bitte, im größten Moloch der Welt, in meinem geliebten Tokyo, funktionieren sollte, antwortete er:

Ja. Das ist schwierig.

Alter Mann – hat schon aufgegeben

Damit war die Konversation beendet.

Der Sicherheitsmythos

Lange habe ich mich damit beschäftigt, was der Mann meinte.

Lange habe ich auf YouTube japanische Videos zur Katastrophen-Prävention gesuchtet, doch irgendwie bekam ich keine klare Antwort auf die Frage, wie man sich denn auf eine Katastrophe vorbereitet, geschweigenden im Ernstfall reagieren sollte.

In Deutschland will man ja auf jede noch so kleine Frage eine Antwort. Unsicherheit ist verhasst.

Doch es ist wie es ist: Im Falle des Falles gibt es keinen Schutz. Es gibt keine unsichtbare Hand, die dich schützt. Du kannst zwar dem Tipp folgen beim Erdbeben unter den Tisch zu kriechen, aber wenn dich das Beben auf der Toilette erwischt, hilft dir dieser Tipp wenig (Ist mir schonmal passiert, aber verratet es keinem!).

Aber was hat das eigentlich mit Corona zu tun??? Ja, wir spannen gerade den Bogen zum Thema, chill halt! 😂 🤣

Demut. Dem Deutschen unbekannt.

Es war mein zweites Erdbeben. Diesmal würde ich nicht mit einem kleinen Rütteln abgefertigt werden von der Natur.

Ich saß am Schreibtisch meines Wohnheimzimmers in Shiinamachi und versuchte einen Blogbeitrag für euch zu verfassen.

Es sollte irgendwas Lustiges werden. „Welches Pokemon bist du?“ Hahaha. Aber es kam ganz anders …

Plötzlich knirschte die Erde. Etwas zog und schob an mir. Unsichtbar. Der Kühlschrank begann zu wanken. Erst blieb ich kuhl. Ein Erdbeben? Hahaha!

Doch es rüttelte weiter. 30 Sekunden lang. Und es hörte nicht auf. Fenster und Wände verzogen sich. Der Kühlschrank drohte umzustürzen! Alles wackelte.

Aufstehen!

Nein.

Das Erdbeben erlaubte keinen Widerspruch. Die Erde knirschte weiter. Ich gab auf und fiel unter den Schreibtisch. Mehr als unter dem Tisch zu kauern erlaubte mir die Natur nicht.

Heroisch aufspringen? Die Katastrophe weglachen? Kämpfen? Vergiss es!

Zum ersten Mal in meinem Leben hatte ich richtige Demut gelernt. Egal, wie stark und klug ich war, ich hatte dem Beben nichts entgegen zu setzen.

Durch Hollywood Filme lernten wir, dass man immer Herr der Lage sein konnte, wenn man fest an sich glaubte und kämpfte.

Aber das war nicht die Realität.

Wenn die Natur entschied, dass du zwei Minuten, wie ein zitternder nasser Welpe unterm Tisch kauerst, dann hast du auch hilflos dort zu kauern.

Deutschland, das sichere Paradies

So sieht Deutschland aus (Bild von Lilen23 auf Pixabay)

Resigniert lief ich mit der holländischen Kommilitonin heim vom Katastrophenamt:

Europa ist schon langweilig. Keine Erdbeben. Keine Tsunamis. Nichts.

Holländerin – 2015

Damit hatte sie verdammt recht. Wir wissen nicht mal, wie gut es uns geht. Erdbeben stehen in Japan wortwörtlich auf der Tagesordnung. Im Angesicht der steten Bedrohung durch die Natur, entwickeln Leute in Japan eine gewisse Gelassenheit gegenüber der Katastrophe.

Es kann jeden Moment vorbei sein. Man kann sich nicht gegen alles wappnen.

Doch anstatt in Panik zu verfallen, entwickeln Japaner eine gewisse Akzeptanz. Wenn die Natur dein Leben einfordert, dann ist es eben so.

Ein Taifun, so groß wie Japan selbst, rollt in zwei Stunden über Tokyo? Na gut. Noch schnell zwei Bierdosen im Kombini geholt und dann zuhause eingeschlossen.

Die super pünktlichen Züge fahren aufgrund des Erdbebens gerade nicht? Na gut. Ist halt so. Dosenbier.

Wichtig ist mir folgendes:

Japan gibt nicht auf. Japan akzeptiert.

Denny in Quarantäne

Während die eine Hälfte von Deutschland sich also kreischend in Isolation begibt und die andere den drohenden Tod feiert, sage ich:

Es kommt, wie es kommt. Wir sehen uns nach Corona!

Aber vorher hole ich mir noch Bier im Supermarkt.

Experimentelles geiles Bier in Japan. Leider war es nicht beliebt genug. Ich will meinen Weizenbock zurück!

Mehr von den TOKYOmaniacs seht ihr hier. Wie geht Senpai mit einer Katastrophe um?

PluS: Konkrete Hinweise, wie man sich auf einen Taifun vorbereitet von Senpai:


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