Atomkraft in Japan Demo

Nachdem im Jahre 2011 der Atommeiler in Fukushima explodierte, wunderten sich viele Japaner darüber, dass Deutschland den Atomausstieg einleitete.

Es war deswegen wundersam, weil Japan, das Land in dem die Katastrophe passierte, weiterhin auf Atomkraft setzt und Deutschland, ein Land weit weg vom Geschehen, „plötzlich“ Konsequenzen aus dem Vorfall zieht.

モルゲン、明日

Morgen, Ashita Antiatomkraft Fukushima Japan

Der Film: „Morgen, Ashita“ behandelt genau diesen Widerspruch. Im Rahmen des Filmzirkels der Japanisch-Deutschen Gesellschaft Tokyo konnten wir uns den Film in Anwesenheit der Regisseurin ansehen.

Am Anfang war ich etwas irritiert, da ich glaubte es würde sich um einen deutschen Film handeln, doch der Film wurde von Masako Sakata produziert, einer Frau, die sich für die Energiewende in Japan stark macht.

Für den Dreh flog sie extra nach Deutschland, um zahlreiche Menschen zu interviewen, die sich für die Energiewende in Deutschland eingesetzt hatten. Alles um zu verstehen, wie in Deutschland seit jeher gegen Atomkraft vorgegangen wird.

Als ich das Filmposter sah, musste ich schmunzeln: grinst einem dort Hitler mit erhobenem Arm entgegen. Das erinnerte mich an meine Zeit als Praktikant bei der JDG Tokyo, in der mir meine Chefin mal erklärte, dass in Japan kein Deutschland-Film ohne Hitler erfolgreich werden könne.

Wollte die Regisseurin also auch hier auf die Hitlerkarte setzen?

Morgen, Ashita Antiatomkraft Fukushima Japan

Hitler auf dem DVD-Cover (ganz unscheinbar in der oberen rechten Ecke)

Nach der Rede von Angela Merkel, in der sie eine Kehrtwende von ihrem Atomkurs ankündigte, folgt eine kleine Geschichtsstunde, in der der Faschismus in Deutschland beleuchtet wird.

Das war ja alles ganz nett und ultimatives Allgemeinwissen in Deutschland, aber was hatte das jetzt mit der Energiewende zu tun?

Doch der Film schaffte es ab da eine überzeugende und  chronologische Brücke von der Nazizeit bis zum Atomausstieg zu ziehen, die mich sehr beeindruckt hat. Eben durch den Faschismus und den blinden Glauben an Staat und Führer konnte es zur Katastrophe kommen.

Und auch nach dem Krieg wollte man lieber mit dem Thema in Ruhe gelassen werden, in der Hoffnung, dass die Geschehnisse ungeschehen werden würden, wenn man nur lange genug schwieg.

Das Ergebnis davon waren verkrustete Strukturen in Deutschland und faschistisches Gedankengut in den Köpfen der Menschen, das zwar nicht mehr laut geäußert werden durfte, aber noch immer da war.

Die junge Nachkriegsgeneration sah sich also einem Staat gegenüber, der offiziell nichts mehr mit der Nazizeit zu tun hatte, in dem aber die alten Funktionsträger der NS-Zeit auch die neuen Funktionsträger der BRD wurden. Wenig hatte sich also geändert, trotz der größten Katastrophe der Menschheit.

Bürgerinitiativen und Studentenbewegungen

Morgen, Ashita Antiatomkraft Fukushima Japan

Große Teile der Bevölkerung informieren sich über das Thema Atomkraft. nach dem Film gab es ein Q&A zum Thema „atomares Dorf“

Als sich nach dem Krieg die neue „heilbringende“ Technologie namens „Atomkraft“ in Bewegung setzte, die alle Energieprobleme lösen sollte, konnte man bereits ahnen, dass die ganze Technik ein Spiel mit dem Feuer war.

Eine so gefährliche Technologie sollte also in den Händen von privaten Firmen gelassen werden? Auch noch mit Segnung und Unterstützung vom Staat? Auch noch einem Staat, der aus der Nazizeit nichts gelernt zu haben schien und die neue Technik gegen den Willen der Bevölkerung durchdrückte?

Gerade durch die Erfahrung mit der NS-Zeit war für viele Menschen klar, dass man sich dem Staat im Zweifel entgegen stellen musste. Und anders als bei anderen Themen der 68er-Bewegung war die Atomkraft ein gesamtgesellschaftliches Anliegen.

Es waren also nicht nur die ideologische Linke, die sich gegen den Bau von Atommeilern einsetzten, sondern auch Pastoren, Hausfrauen, Professoren, Angestellte und selbst Teile der Regierung. Widerstand war also kein ideologischer Zankapfel mehr, sondern Ausdruck von Demokratie.

Man muss bedenken, dass der Film primär für japanische Augen gemacht wurde, also auch offensichtlichere Zusammenhänge erklärt werden, um dem japanischen Publikum das exotische Deutschland näher zu bringen.

Denn in Japan wird Widerstand gegen die Regierung  als eine unakzeptable Störung betrachtet. Schließlich handelt es sich bei den ehrenwerten alten Herren da oben, um ausgemachte Autoritäten, die wissen was sie tun und denen man Folge zu leisten hat.

Japan hat zwar eine ähnliche Geschichte wie Deutschland (vor allem als ehemaliger Verbündeter der Nazis), doch es hat nicht die gleichen Schlüsse aus dem Krieg gezogen.

Während sich Deutschland letztlich mit ehemaligen Kriegsgegnern versöhnt hat, geht Japan mit seinen ehemaligen Gegnern noch immer auf harten Konfrontationskurs. Und während die deutsche Studentenbewegung erfolgreich war und mittlerweile halbwegs gesellschaftlich akzeptiert wurde, ist die japanische Bewegung gescheitert.

Was folgte war ein gesellschaftliches Klima in Deutschland, in dem politische Diskussionen fast schon erzwungen und Widerstand gegen den Staat fast schon eine langweilige Selbstverständlichkeit ist, während man in Japan lernte, dass politische Bemühungen nur scheitern und man lieber den Autoritäten folge leistet.

Das atomare Dorf

Es beeindruckte mich zu sehen, wie vehement Leute in Deutschland damals schon an eine Zukunft glaubten, in der man zu 100% mit erneuerbaren Energien auskommen würde. Und das zu einer Zeit, in der der Anteil der erneuerbaren Energie noch nicht einmal einen Prozent betrug und einige Technologien noch gar nicht erfunden waren.

Das dient natürlich auch dazu dem japanischen Publikum zu zeigen, dass man Alternativen hat, man nur an sie glauben und dafür kämpfen müsse. Denn noch immer wird Atomkraft als alternativlos dargestellt und wer was anderes glaubt ist ein heilloser Träumer und linker Störer.

Um diese Argumente vorweg zu nehmen porträtiert der Film viele Menschen, die schnell merkten, dass es nicht reichte einfach nur gegen Atomkraft zu sein. Eine Bewegung, die sich gegen etwas richtete hätte schließlich nicht viel bestand.

Stattdessen wurde klar, dass man für etwas kämpfen musste und das waren schließlich die erneuerbaren Energien. Dass Deutschland technologischer Vorreiter in diesem Feld ist, haben wir also all den linken Träumern zu verdanken. Auch wenn selbst in Deutschland noch viel in diesem Feld zu tun ist, da es noch immer Widerstand von der Industrie und der Politik gibt. 

Doch im Vergleich zu Japan sind diese Probleme nahezu nichtig, denn dort regiert das „atomare Dorf“. Dieser Begriff bezeichnet ein Konglomerat aus Politik, Wirtschaft, Medien und selbst der Wissenschaft, das sich eisern für den Erhalt der Atomenergie einsetzt und versucht den Sicherheitsmythos aufrecht zu erhalten. Selbst nach der Atomkatastrophe.

Als einfacher Bürger dagegen vorzugehen gleicht dem Kampf von David gegen Goliath. Es ist also besser diesen Kampf gar nicht erst anzufangen. Doch der Film zeigt, dass auch der deutlich Unterlegene gewinnen kann, wenn man nur hartnäckig bleibt und für seine Einsichten kämpft.  

„Das Ende von Fukushima“ oder „ohne Ende Fukushima“?

Seit dem Super GAU hat sich zum Glück sehr viel in der Gesellschaft getan. Auch wenn es die Regierung geschafft hat die Medien weitestgehend stumm zu schalten und den Vorfall klein zu reden, ist es seither für die Bevölkerung normaler geworden wieder zu protestieren und zu demonstrieren.

Fragt man jemanden auf der Straße oder in seinem Freundeskreis, merkt man, dass niemand die Regierung in dem Thema überhaupt noch ernst nimmt. Im Grunde ist ein Großteil der Bevölkerung gegen Atomkraft, nur sitzt das atomare Dorf am längeren Hebel. Noch.

Was denkt ihr über das Thema? Ist Atomkraft ein Spiel mit dem Feuer oder eher strahlende Zukunft? Hier ist ein Link zu einer Stiftung, die Waisenkinder in Fukushima unterstützt. Sie wurde mir von einer ehemaligen Kommilitonin empfohlen und vielleicht interessiert es den ein oder anderen. 😀 

https://www.matcharity.org/

Für mehr Infos mit der JDG Tokyo, schaut mal hier:

http://www.jdg.or.jp/index_d.html

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