Da ich den japanischen Weg abgebrochen habe, blieb mir jetzt nur noch der wackelige internationale Weg, um in Japan an einen Job zu kommen.

 

Wenn ihr euch auch die anderen Artikel zum Thema „Arbeiten in Japan“ ansehen wollt, dann schaut mal hier: 

Arbeiten in Japan – Mein Weg zum Job 

Arbeiten in Japan – Der japanische Weg 

Japanologen kriegen keine Jobs? 

 

Arbeiten in Japan – Der internationale Weg 

 

(Lesedauer etwa 10 Minuten)

 

Beim internationalen Weg müsste man eigentlich nicht viel erklären, denn es ist zum Großteil genau das, was wir kennen. Und hassen. Hier zählt alles: Skills, Erfahrungen und Kontakte. Die Firmen suchen die eierlegende Wollmilchsau.

 

Jobausschreibungen sehen dann oft so aus, als hätte ein naives Kind im Kindergarten seinen Wunschzettel für Weihnachten geschrieben und einfach alles reingepackt, was ihm eingefallen ist:

 

“Wir suchen einen jungen Bachelor Absolventen mit 5 Jahren Berufserfahrung.

 

Wir suchen einen deutschen IT-Profi, der auf Muttersprachlerniveau Japanisch kann.

 

Wir suchen jemand der die japanische Kultur bis in die tiefste Faser analysieren kann, der aber auch unsere Bilanzen erstellt.“

 

Wer jetzt denkt, dass man sich für den Einsteigerjob dann doch einfach in der internationalen Firma bewerben könne, täuscht leider. Denn auch in den internationalen Firmen läuft auf Einsteigerbasis alles über den japanischen Weg. Und der fiel schon flach für mich, wie ich im letzten Artikel erklärte.

 

Die Jobs die es vielleicht für Ausländer gibt, finden sich dann auf höherer Ebene. Und da ist kein Rankommen mit einem einfachen Bewerbungsschreiben als unbekannter Freshman.

 

Heute innovieren wir die neuste bleeding edge Technologie und heben Tokyo auf das nächste Level.

 

Es ist im Grunde zum Mäuse melken. Um irgendwo reinzukommen braucht man Vollzeitarbeitserfahrung. Aber um diese zu kriegen muss man erstmal eine Chance bekommen, diese zu sammeln.

 

Es ist also ein Teufelskreis, der einem zwischen Studium und potentiellen Arbeitsbeginn plagt. Und dieses Dilemma plagt einen nicht nur in Europa, sondern auch in Japan.

 

Trotzdem habe ich es versucht. Mir blieb ja nichts anderes übrig.

 

Ich habe schnell gemerkt: die großen internationalen Firmen sind wie Schlösser, die von hohen Wänden und Soldaten geschützt werden, um nervige Freshman-Eindringlinge wie mich fernzuhalten. Was man braucht um reinzukommen sind Erfahrungen und Kontakte.

 

Internship Japan

 

Eine einfache Möglichkeit um beides zu sammeln sind Praktika. Da das Praktikumssystem in Japan nahezu unbekannt ist bzw. komplett anders funktioniert, wird man hier automatisch auf internationale Firmen treffen.

 

Praktika waren für mich auch eine einfachere Möglichkeit irgendwo quasi durch die Hintertür reinzukommen. Und vor allem, um das eigene Visum zu verlängern. Denn ohne das, ist das Abenteuer Japan sofort beendet.

 

Die Verena aus der Community, die mit Internship Japan gerade den Arbeitsmarkt in Tokyo aufmischt, hatte da gerade diverse Praktika im Angebot. Ihr verdanke ich einiges an Praxiserfahrung und indirekt auch meinen Job jetzt.

 

Also kann ich nicht anders, als sie und ihre Organisation weiterzuempfehlen. Schaut mal vorbei:

 

Immer wieder gibt es Networking Events in Tokyo, die von Internship Japan gehostet werden. Dort treffen Arbeitgeber und Praktikanten aufeinander. Der Deal ist einfach: Firmen brauchen Praktikanten und Praktikanten eine Zukunft. Und ein Visum.

 

Ich warf mich also wieder in meinen Anzug und hatte an einigen Events teilgenommen. Ein immer wiederkehrendes Event findet in “The Pink Cow” in Roppongi statt. Es dient nicht zwangsweise nur der Praktikavermittlung, sondern vor allem dem Aufbau eines Netzwerks. Und manchmal, ja wirklich, hat auch jemand ein Jobangebot im Gepäck. Also musste ich hin!

 

In entspannter Atmosphäre können hier die zumeist relativ jungen Unternehmer, mit den jungen Absolventen interagieren. Die großen Firmen waren hier jedoch noch relativ spärlich vertreten. Zumindest war das letztes Jahr noch so. Doch Internship Japan und das Netzwerk wächst von Tag zu Tag. Also lohnt es sich mal vorbeizuschauen.

 

Die jungen Unternehmer haben meist selbst wenig Mittel, viele Leute anzustellen. Da springen die Praktikanten ein und greifen den Unternehmern unter die Arme. Und sichern sich so im besten Fall einen guten Draht oder einen potentiellen Job.

 

 

Erstmal mit Best Practice Business scalen und den Leverage ansetzen.

 

Internship Japan ist da auch sehr bedacht darauf, dass alles fair ist zwischen Praktikant und Unternehmen und niemand als billige Arbeitskraft verfeuert wird.

 

Ich lernte bei dem Networking einen alten Firmenchef kennen, der stets mit einem befreundeten freiberuflichen Journalisten rumhing.

 

Mit den beiden kam ich am besten klar und ich setze mich auch heute immer wieder gerne mit ihnen zusammen, wenn ich sie auf diversen Events wieder antreffe und stoße mit ihnen an. Doch beide illustrierten auch die zwei verschiedenen Welten, die mir hier begegneten:

 

Der Freiberuflicher repräsentiert die Welt, die selbst im Kampf mit den Begebenheiten der Wirtschaft ist und einem Berufseinsteiger zwar sehr gute Praxiserfahrungen vermitteln kann, aber nicht notwendigerweise eine (sichere) Anstellung.

 

Der alte Firmenchef steht für die andere Seite, die bereits etabliert ist und nun genau darauf achtet, wer in die Firma darf und wer nicht. Und wenn der Einsteiger keinen konkreten Nutzen hat, dann gibt es auch kein Reinkommen.

 

Auch hier war eine Anstellung kompliziert. Wer bei ihm reinkommen wollte und kein IT studiert hatte, brauchte “wenigstens” N1 Niveau Japanisch. Wobei N1 schon die höchste Stufe ist.

 

Die Erfahrungen und Skills, die beim japanischen Weg total egal sind, werden nun im internationalen Weg eingefordert. Nun ging es darum das Richtige studiert zu haben und die richtigen Leute zu kennen. Dazu kommen Skills, die man haben muss, um wirklich eine Chance zu kriegen.

 

Das verflixte Japanisch

 

Ein Skill, den man bei beiden Wegen braucht ist Japanisch. Als ich nach Tokyo kam, hatte ich den JLPT N3 gerade bestanden. In Noten ausgedrückt wäre das ein “Befriedigend”. Für 5 Jahre Japanisch lernen war das maximal peinlich.

 

Aber es war wie es war. Ich habe mich erst spät darauf besonnen was wirklich wichtig war im Leben und mich erst spät dafür entschieden überhaupt nach Japan zu gehen, auf der Suche nach einer besseren Zukunft. Auch die Entscheidung mich nun wirklich auf Jobsuche zu begeben kam sehr spät, also musste ich jetzt nehmen was ich hatte.

 

Eine Weile später habe ich mich noch auf den JLPT N2 hochgeschaukelt, einem Level von dem man sagt, dass man damit in Japan arbeiten könne. Aber das war auch nur die halbe Wahrheit.

 

Viele Firmen die ich gesehen habe forderten gleich den N1, also nahezu Muttersprachlerniveau, was selbst für jemanden der fleißiger war als ich, kaum zu schaffen war.

 

Ein Freund aus der Community meinte, dass es jedoch gut machbar ist in Deutschland sich bis zum N2 zu ackern und dann eine Weile nach Japan zu gehen, um das i-Tüpfelchen aka N1 draufzusetzen. Für Leute mit Weitsicht ist das sicher eine Option. Wer es ernst meint mit dem Japanisch, kann sich ja mal meinen beliebtesten Blogartikel ansehen:

Noch ein Hinweis bevor es Diskussionen gibt: Das sind nur meine Erfahrungen. Wenn ihr andere gemacht habt, dann sagt mir doch Bescheid. Ein N2 sollte auch reichen für die meisten Jobs. Nur für mich interessante Angebote gingen direkt in die Vollen.

 

Und Firmen suchen immer die eierlegende Wollmilchsau, wie oben schon erwähnt. Die Forderungen sind da immer unrealistisch hoch. Davon sollte man sich aber nicht abschrecken lassen, denn die Arbeitgeber wissen selbst, dass kaum jemand die Voraussetzungen erfüllen kann. Wer sich beweist und sich gut verkaufen kann, wird trotzdem durchaus eine Chance bekommen können.

 

 

Arbeiten wie ein Japaner

 

Ich spürte dass ich auch hier falsch war. Die Leute waren alle super nett und ich habe auch ein paar super Praktika von Verena vermittelt bekommen, aber es passte nicht.

 

Entweder konnte ich mit den Leuten nicht oder die Leute hatten nichts für mich. Bei meinem Praktikum habe ich zu allem Überfluss auch noch gemerkt, dass mir Büroarbeit von 9:00 bis 18:00 Uhr, 5 mal die Woche überhaupt nicht wirklich liegt.

 

Mit den Jahren hat sich für mich eine relativ klare Vorstellung von dem herauskristallisiert, wie ich einmal arbeiten will und vor allem was. Ich wollte dabei sein etwas mit meinen eigenen Händen aufzubauen und nicht in einem stickigen Büro versacken. Zumindest nicht jeden Tag, den ganzen Tag. 

 

Alle Optionen die sich mir boten, fühlten sich falsch an. Denn da war noch diese leise Hoffnung im Hinterkopf. Diese eine Sache, für die ich schon so lange gekämpft hatte. 

 

Wer die Artikel bis hier hin gelesen hat wird denken, dass ich einfach verwöhnt bin und alle Optionen von vorn herein ausschlage, anstatt erstmal zu nehmen was kommt. Und dass ich einfach nicht hart genug gelernt oder mich gut genug integriert hätte. Oder dass ich einfach das Falsche studiert hätte. All diese Anschuldigungen treffen zu. 

 

Und trotzdem sind mir diese Sachen egal. Früher hätte ich auch einfach irgendwas genommen, mich als Sprachlehrer versklaven lassen, obwohl ich gar keinen Bock auf sowas hätte. Oder ich hätte mich in die starre japanische Hierachie eingefügt, komme was wolle und mich innerlich zerrieben, nur um eine sichere Stelle zu haben. Doch dafür war ich nicht mehr bereit. Das war nicht woran ich glaubte.

 

Nun stand ich wieder zwischen den Fronten. Im japanischen Weg werden die Sachen die ich geleistet habe nicht genug gewürdigt und stattdessen sture Loyalität gefordert, der ich mich nicht unterwerfen kann.

 

Im internationalen Weg hingegen sind die Sachen anscheinend nicht gut genug und die Voraussetzungen unrealistisch hoch. Denn schließlich sprechen wir hier immer noch von Berufseinsteigern, also Leuten die gerade mal mit der Uni fertig sind.

 

Fazit

Ich glaube dass jeder, egal mit welchen Voraussetzungen er hier ankommt, einen Job finden kann, der zu ihm passt. Das Problem ist es nur, genug Zeit aufzubringen sich auf die Suche zu begeben und offen zu sein, für das was sich richtig anfühlt. Und mit den richtigen Leuten ins Gespräch kommen.

 

Man muss sozusagen den Sprung wagen und hinter seiner Entscheidung stehen. Auch wenn sie noch so bescheuert ist wie meine. Doch so kam ich letztendlich zu meinem Job hier in Tokyo.

 

Hier geht es zu den anderen Artikeln zum Thema „Arbeiten in Japan“: 

 

Arbeiten in Japan – Mein Weg zum Job

Arbeiten in Japan – Der japanische Weg

Japanologen kriegen keine Jobs?

 

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1 Kommentar

Maxie Pickert · 18. Oktober 2018 um 11:17

Hey! Ich war letztes Jahr auch auf Arbeitssuche. LinkedIn ist echt am hilfreichsten, wenn man nach Jobs sucht. Man schreibt einfach alle Leute an und trifft sich dann mit denen zum Kaffee. Aber leicht ist das nicht. Viel Erfolg an alle die es versuchen!!

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