Wie habe ich denn meinen Job in Japan bekommen? Welche Kurse haben mich weiter gebracht? Welches Japanischlevel hat mir am Ende den Job verschafft? Welche Skills waren hilfreich und was aus dem Studium benutze ich noch heute? Noten? Und vor allem: Welche Praktika und Nebenjobs waren nützlich beim Ergattern meines Jobs? 


Diese Fragen will ich beantworten, damit sich findige Japanologen ein Bild machen können und vielleicht inspiriert werden. Doch auch Nicht-Japanologen sollten nicht gleich wegschalten. Ich denke meine Erfahrungen könnten hilfreich werden, allgemein für jeden der einen Job in Japan sucht. Doch hier noch einmal der Hinweis:

Das sind alles meine persönlichen Erfahrungen. Wenn ihr andere gemacht habt, dann lasst es mich wissen!

Wenn ihr euch auch die anderen Artikel zum Thema „Arbeiten in Japan“ ansehen wollt, dann schaut mal hier: 

Arbeiten in Japan – Der japanische Weg 

Japanologen kriegen keine Jobs? 

Arbeiten in Japan – Der internationale Weg


Mein Weg zum Job – Arbeiten in Japan

(Lesedauer etwa 10 Minuten)


Bevor wir anfangen, will man als Leser aber vielleicht erstmal etwas über den Job wissen, den ich jetzt habe.

 

Kommt mal vorbei! SCHMATZ hat mehrere Läden in Tokyo und Umgebung.


Ich arbeite für ein deutsches Start-up Unternehmen in Tokyo („SCHMATZ„), das gerade dabei ist eine Kette an deutschland-inspirierten japanischen Kneipen zu etablieren. Das klingt ein bisschen umständlich, deswegen sage ich oft einfach nur „deutsche Restaurantkette“, was so nicht ganz richtig ist. Denn keiner von uns will ein „typisch deutsches“ Restaurant aufbauen. 


Wir folgen mehr dem „Hybrid-Food“-Trend, der das Beste aus verschiedenen Landesküchen zusammenbringt, um den Gästen immer wieder neue Gerichte zum Ausprobieren anbieten zu können. Also nicht streng „deutsch“. Auch ist ein Standbein von uns das Brauen eigenen Bieres, was oft zu unrecht unter den Tisch fällt. 


Um es kurz zu machen: Der Job ist für mich megaspannend, da ich mit den jungen Unternehmern etwas ganz Neues aufbauen und meine Stärken und Interessen einbringen kann.

 

Der Job, den ich mache, verlangt im Grunde 3 Dinge von mir:


Event-Management, 

Restaurant-Management und 

Marketing mit Schwerpunkt Social Media. 


Keines der drei Felder habe ich jemals studiert und diese Felder kann man auch nicht wirklich studieren (okay, manche sicherlich schon mittlerweile, aber wir reden hier von vor acht Jahren).


Es gab auch keine Möglichkeit mich auf genau diesen Job vorzubereiten, denn vor acht Jahren hatte ich schlicht keinen Plan, dass so eine Chance mal kommen würde. Wie also konnte ich die Bedingungen, die der Job an mich stellte, erfüllen? 


Im Grunde bin ich die Sache aber andersherum angegangen. Ich habe mich nicht dem Job angepasst, den ich mal haben will, sondern ich bin nur meinen Interessen gefolgt und habe dann geschaut, welcher Job am besten zu diesen passt. 


Das war gut, da ich immer machen konnte was ich wollte, aber schlecht, weil ich so komplett ins Blaue arbeitete und studierte und nie genau wusste, wo ich mal ankommen würde (Das typische Japanologenproblem…).


Bedingung Nummer 1: Event-Management

 

Als Erstsemester war damals schon klar, dass meine Studienwahl brotlos war und ich vielleicht nur in die Arbeitslosigkeit studieren würde. Da waren sich alle um mich herum sicher.

Passend dazu war ich damals extrem blank und habe nachts in Müllcontainern der Supermärkte gewühlt (ihr wisst gar nicht wie viele verpackte noch gute Lebensmittel tagtäglich weggeschmissen werden! Schämt euch! xD).


Da kam das Angebot der Nippon Connection in Frankfurt direkt richtig:

Das weltweit größte Festival für japanischen Film suchte Helfer für eine Woche. Belohnung: ein T-Shirt und freie Verpflegung. Eine Woche kostenlos essen? Da war ich sofort dabei. Natürlich hatte ich auch mein brotloses Studium im Kopf, das ich so mit etwas Praxiserfahrung aufpeppen konnte. 


Daraufhin folgte eine Woche harte Arbeit. Das alte Studihaus musste wie jedes Jahr komplett renoviert werden und so putzten wir die Heizkörper, hingen Laternen auf und strichen die Mädchentoilette rosa (ja, das war ich).

Es klingt zwar bescheuert, aber das alles hat eine Menge Spaß gemacht. Nach ein paar Tagen war das verranzte Zentrum der extrem Linken eine vorzeigbare Location für ein internationales Publikum. 


Da habe ich zum ersten Mal Blut geleckt. Mit viel Einsatz und gleichzeitig viel Spaß lässt sich also etwas komplett aus dem Nichts erschaffen, das zehntausend Besucher aus der ganzen Welt erfreut?

Das war die beste Erfahrung für mich, als kleiner unbedeutender Japo (Anm. d. Red.: coole Art „Japanologe zu sagen).


Von diesem Moment an wurde ich dem Festival für etwa 5 Jahre treu und arbeitete dort ehrenamtlich unter anderem als Fotografen- und Interviewkoordinator und war im Pre-Selection Team und bewertete jedes Jahr die neusten Filme, die wir schließlich auf dem Festival zeigten.

In der Zeit habe ich also viel darüber gelernt was dazu gehört, wenn man Veranstaltungen organisieren will. 


Die Firma für die ich arbeite hostet nun ebenfalls Events oder wird zu Instituten gerufen, wie z.B. in die deutsche Botschaft oder dem Goethe-Institut, um Veranstaltungen zu schmeißen. Da kommen die Sachen, die ich bei Nippon Connection gelernt habe ganz gelegen. 

 

Bedingung Nummer 2: Restaurant Management


Als ich in Tokyo merkte, dass meine Kohle so langsam zur Neige ging (Déjà-vu!) war klar, dass ich einen Nebenjob brauchte. Zumindest wenn ich weiterhin Nahrung konsumieren wollte, die nicht aus dem Mülleimer kam.


Durch Verena (Internship Japan), die ich über meinen Blog alten Blog kennen lernte, hörte ich damals von der Firma, für die ich jetzt arbeite. Sie schrieb einen kleinen Blogartikel über das erste Restaurant in Akasaka und die Ambitionen meiner Chefs. Ich war sofort geflasht und fühlte mich an Nippon Connection zurückerinnert. 


Ich dachte: Vielleicht ist es ja irgendwie möglich auch hier mit Eifer an die Sache zu gehen, um das Projekt aus dem Nichts immer größer aufzubauen. Das teilte ich meinen Chef mit und er meinte, er würde mir wo es geht helfen dahin zu kommen, wo ich hin wollte. 


Dennoch war das hier kein ehrenamtlicher Verein, bei dem jeder NUR seinen Interessen folgen konnte, sondern in erster Linie eine kleine Firma, die gerade eben erst aus dem Nichts auferstanden war. Drei Monate vorher hatten die Chefs noch in einem Food-Truck selbst Würstchen auf den Grill geschmissen, bis sie die Gelegenheit hatten in Akasaka das erste Restaurant zu starten. Also gab es viel zu tun!


Das bedeutete für mich relativ früh aufstehen (als Student war alles vor 12:00 Uhr mittags zu früh!) und ordentlich anzupacken. Mehrmals die Woche, soweit es das Visum erlaubte. Ich lernte den Laden dabei nahezu in und auswendig kennen und meine Kollegen zu lieben. 


Im Restaurant selbst waren so ziemlich alle Japaner, abgesehen vom Firmenchef, der ab und an mit mir die Schichten leitete. Da ich aber gerade den JLPT N3 gerade so bestanden hatte, konnte ich mich halbwegs (aber mehr schlecht als recht) verständigen (zu dem Zeitpunkt habe ich auch angefangen für den N2 zu lernen und habe den schlussendlich auch gerade so bestanden). 


Vor allem gefiel mir der Umgangston: Niemand hatte einen Stock verschluckt und höfliches Gerede war nicht gefragt. Das war für mich sehr befreiend, da ich Hierarchien und Unterwürfigkeit nicht leiden kann (ich alter Anarchist lol).


Natürlich hatte ich damals meine Fühler bereits ausgestreckt und geschaut ob es nicht irgendwie eine Möglichkeit auf eine Vollzeit-Beschäftigung gäbe. Zur damaligen Zeit sah es da aber noch ziemlich düster aus. Schließlich war das hier noch keine etablierte Firma, sondern ein Start-up, das gerade dabei war Fuß zu fassen. 


Ehrlich gesagt hatte mir das einen ziemlichen Stich versetzt, da ich insgeheim hoffte hier starten zu können. Ich war auch gerade dabei Shukatsu (japanisches Job-Hunting) durchzumachen und internationale Firmen nach Praktika abzuklappern. Das lief aber mehr schlecht als recht und ich kam mir vor wie auf einer Odyssey durch den Job-Jungle Tokyos. 


Da es hier keine Zukunft für mich zu geben schien, beschränkte ich mich erstmal darauf meine Arbeit so gut wie möglich auszufüllen, bis mir ein Ausweg einfiel. Denn vielleicht würde diese Restaurant Management Erfahrung ja irgendwann mal nützlich (Spoiler: wurde es auch).  

 

Bedingung Nummer 3: Social Media Marketing


Als ich nach Japan kam startete ich meinen alten Blog (Tokyo, der Moloch und Ich) als Tagebuch. Ich berichtete darüber wie ich besoffen Fahrrad zum Meer gefahren bin mit Jet-Lag, mich über ein japanisches Nazimädchen lustig machte und nervte Leute mit nutzlosen Infos wie man am besten mit der Bahn durch Tokyo fährt. Das aus dem mal mehr werden sollte, war eher nur ein stummer Gedanke in meinem Hinterkopf. 


Auch Instagram startete ich und postete Fotos von überfüllten Aschenbechern, dem zerzaustem Hund meiner Schwester und Selfies aus dem immer gleichen Winkel. Das auch hier mal mehr draus wurde, lag eher an meiner Neugier an dem ganzen System. 


Das ging soweit, dass ich anfing auf Iconosquare meine Statistiken zu verfolgen und zu schauen wie viele Likes und Follower ich diesen Monat bekam und fing an zu überlegen wie ich diese Zahlen immer wieder aufs Neue übertreffen konnte. So wurden aus 11 Likes 200 und aus 100 Followern über 5.000.


Meine Facebook Page lief nach dem selben Schema. ich lernte wie und was ich schreiben musste, damit Leute sich dafür interessierten. So wurde aus einer einzeiligen Bildbeschreibung eines nichtssagenden Fotos, eine mehrere Absatz lange, die mit persönlichen Erfahrungen und Hintergrundinformation gespikt war. 


Um die Hintergrundinformationen überhaupt liefern zu können, war es natürlich sehr praktisch, dass ich Japanologie studiert hatte. In Kombination mit Soziologie kann man so viel über die japanische Gesellschaft und Kultur erklären.

Im normalen Leben nutzlos (wie manche sagen), aber warum sollte man diese Dinge nicht gewinnbringend in eigenen Projekten einsetzen? 


Denn es gibt so viele Leute, die sich nach einem realistischen Einblick in das „unbekannte Land“ Japan sehnen und bis auf ein paar unbeugsame Blogger liefert diese keiner. 

Hier ein realistischer Einblick in das alltägliche Japan. ;D

 

Durch die stete Analyse und das ständige „Auf die Schnauze fallen“ wurde mein Social Media Auftritt immer besser, bis Leute im Restaurant meinten, dass es besser wäre, wenn ich die Social Media Kanäle der Firma übernehmen würde. Das tat ich irgendwann auch.

Freiwillig und zusammen mit der Marketingchefin, lernte ich mich dabei an die Materie heranzutasten, während ich zeitgleich ein Praktikum bei der Japanisch-Deutschen Gesellschaft absolvierte.


Das Praktikum dort war eine einmalige Erfahrung und eine der besten Gelegenheiten, die ich kriegen konnte (auch hier hat Verena vermittelt).

Aber mit der Zeit wurde ich dennoch langsam ziemlich desillusioniert. Ich hatte das Gefühl keinen Job in Tokyo zu bekommen und arbeitete nur noch vor mich hin. Ich investierte so viel, doch es schien einfach nichts zurückzukommen. 


Wie viele verschiedene Praktika hatte ich schon gemacht? Drei? Fünf? Es war einfach nur frustrierend. Sicher können das viele, die auf Jobsuche sind und im Strudel aus Praktika gefangen sind gut nachvollziehen. 


Irgendwann kam dann mein leitender Kollege zu mir und meinte, dass ich ganz gut arbeiten würde. Der Meinung war ich nicht, da ich doch einfach nur mein Ding machte. Aber er bestärkte mich darin es nochmal bei Schmatz zu versuchen. 


Auf seinen Rat hin klopfte ich nochmal bei meinem Chef an, der schon längst nicht mehr selbst in der Küche stand, sondern die Läden aus dem Office heraus leitete. So fragte ich nach einer Chance. 


Zu meinem Glück hatte sich die Firma sehr gut entwickelt und es war möglich mehr Leute anzustellen. Und das innerhalb eines Jahres. Zudem sprach jeder im Restaurant gut über mich, wodurch sich herauskristallisierte, dass ich für den Job auf jeden Fall in Frage kam. 


So kam es, dass ich tatsächlich den Job gefunden habe, den ich auch wirklich machen wollte.

Wer mich kennt, wird merken, dass ich mich nie in die japanische oder typische Arbeitskultur einfinden konnte und insgeheim immer gehofft hatte, hier zu landen. Es mag naiv klingen, aber ehrlich gesagt hatte ich die ganze Zeit gespürt, dass das hier der richtige Weg war. 

 

Wenn man die Kellner bei SCHMATZ mal für fünf Minuten alleine lässt… xD

Das Ende vom Lied


Und so baut mein Job im Grunde auf diesen drei großen Erfahrungen auf: 


Event-Management, Restaurant-Management und Social Media Marketing. 


Alles Dinge, die ich nur gelernt und verfolgt hatte, weil sie mich interessierten und weil die Leute mit denen ich zu tun hatte klasse waren. 


Sowohl mein Studium hat mir geholfen, als auch meine Praktika und Nebenjobs. Aber hätte ich letztendlich „nur Japanologie“ studiert, hätte mich mein Chef niemals zum Bewerbungsgespräch gelassen.

In Kombination mit all den Erfahrungen und Projekten die mich geprägt hatten, bekam ich aber schließlich meine Chance mich zu beweisen. 


Deswegen sage ich, dein Studium ist das, was du am Ende daraus machst. Nur ein Abschluss hilft dir nicht. Meine Noten sind hier jedem egal und mein Bachelor-Zeugnis ist mehr wie eine Eintrittskarte in die Jobwelt, egal was drauf steht. Ohne mir meine Fähigkeiten selbst anzueignen, hätte ich meinen Job nicht bekommen. 

Wenn ihr euch auch die anderen Artikel zum Thema „Arbeiten in Japan“ ansehen wollt, dann schaut mal hier: 

Arbeiten in Japan – Der japanische Weg 

Japanologen kriegen keine Jobs? 

Arbeiten in Japan – Der internationale Weg


Die Japanischkenntnisse habe ich mir auch eher mühseelig selbst zusammen geklaubt mithilfe von Tandempartnern und in Japan selbst. Auch wenn der Unterricht an der Uni auf jeden Fall ein gutes Fundament legt, sollte man sich nicht darauf verlassen!


Wenn ihr wissen wollt wie Senpai und ich Japanisch gelernt haben, dann schaut mal in unser Video rein! Unser YouTube-Kanal heißt übrigens: TOKYOmaniacs.

 


Jetzt bin ich gespannt auf eure Erfahrungen. Wie seid ihr an euren Job gekommen? Oder seid ihr noch in der Praktika-Hölle gefangen? Schreibts in die Kommentare!

 

 


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1 Kommentar

Wie wird man Manga- und Videospiel-Übersetzer? 2 Erfahrungsberichte – TOKYOmaniacs · 4. Oktober 2018 um 17:48

[…] Arbeiten in Japan – Mein Weg zum Job  […]

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