Wie wird man Manga- oder Videospielübersetzer? Um diese Frage kompetent beantworten zu können habe ich zwei Leute gefragt, die in der Branche aktiv sind.

Einmal den in Japan lebenden Manga- und Videospielübersetzer Lars, dessen Interview ihr nach dieser Einleitung direkt lesen könnt und einmal die Vanessa, die sich in die Branche von Europa aus reingekämpft hat. Ihr Interview gibt es am Ende des Artikels in Videoform auf unserem Kanal: TOKYOmaniacs auf YouTube! Und das noch direkt von der Tokyo Game Show 2018! Nun aber viel Spaß mit dem Artikel!

 

Hey Lars! Du hast vor kurzem noch regelmäßig Spiele übersetzt. Wie kamst du in die Branche rein?

 

In die Branche bin ich ganz normal über Initiativbewerbungen reingekommen. Viele Agenturen bieten die Möglichkeit dafür, oft auch direkt mit entsprechendem Formular.

In den meisten Fällen muss man dann eine Probe-Übersetzung anfertigen, und wenn die gut ist, bekommt man nach und nach Aufträge, zu Beginn meist eher kleinere zu entsprechend schlechteren Bedingungen. Natürlich muss man sich bei vielen Agenturen bewerben, um entsprechend auch bei ausreichend Agenturen angenommen zu werden, um auch nur halbwegs davon leben zu können.

Auch wenn die Sprachkombination Japanisch-Deutsch nicht so häufig ist, und man dadurch etwas weniger Konkurenz hat, kommt das Problem hinzu, dass es dementsprechend auch in der ganzen Sprachkombi nicht so viele Aufträge gibt. Aus diesem Grund macht man meistens bzw. oft auch Englisch-Deutsch. In vielen Fällen wollen die Agenturen das auch so, dass man von der englischen Version übersetzt, selbst wenn die Ausgangssprache Japanisch ist und die Übersetzungsdateien beide Sprachen mitliefern.

 

Waren das „große“ oder eher „kleine“ Spiele oder ein wilder Mix?

 

Es war natürlich ein Mix, aber weniger wild. Generell beginnt man wie gesagt mit kleineren Projekten.

Viele Projekte, insbesondere die größeren, die man alleine machen kann, sind Smartphone-Spiele. Bei großen Konsolenspielen usw. gibt es meistens mehrere Übersetzer. In diesem Sinne habe ich einige (größere) Smartphone-Spiele (und auch Apps) übersetzt, aber auch einige Indie-Spiele sowie normale größere Spiele, teilweise für Nintendo DS und weitere.

 

Wie kann man sich die Zusammenarbeit mit japanischen Studios vorstellen?

 

Das ist natürlich extrem unterschiedlich. Teilweise bekommt man nur eine Excel-Datei mit Text, bzw. Strings.

Text ist schon unschön, weil man eben keinen Kontext hat, Strings sind noch schlimmer, weil man sich sozusagen die Textpassagen aus dem Spielcode raussuchen muss.

In den meisten Fällen hat man jedoch ein paar mehr Infos wie Grafiken, Infotexte zu Charakteren bzw. Szenarien usw. Bei sehr detaillierten Studios hat man fast jeden Spielbildschirm oder jedes Menü als Grafik in der Datei. Insgesamt sind es aber (leider) fast immer Excel-Dateien.

Wenn das Spiel schon etwas fertiger ist, bekommt man auch öfters mal Alpha- bzw. Beta-Versionen der Spiele. Ist natürlich in vielen Fällen nicht nötig, weil der Q&A- bzw. Spiele-Tester die Excel-Übersetzung gesondert im Spiel selbst testet. Als Übersetzer übernimmt man diese Arbeit auch ab und zu selbst. Ist ganz cool, weil man dann einen Einblick bekommt, wie die eigene Übersetzung im Spiel wirkt, und man sie relativ schnell ohne Umwege korrigieren kann.

 

Was sind die größten Herausforderungen beim Übersetzen?

 

Schwierige Frage. Alles kann schwierig sein.

Aber im Vergleich zu Englisch-Deutsch hat Japanisch-Deutsch ziemlich viele Tücken. Insbesondere die Kürze der japanischen Sprache. Nicht nur, dass es teilweise schwierig sein kann, japanische Ein-bis-Zwei-Wörter-Sätze in schönes Deutsch zu bringen, aber noch viel mehr, weil man bei sehr vielen Spieleübersetzungen Zeichenlimits hat, die bei Japanisch-Deutsch eine echte Qual sein können, vor allem wenn man dabei korrekt und natürlich bleiben will.

Sonst natürlich die vielen Besonderheiten der japanischen Sprache wie sonderbare Zeitformen, Lautmalereien und besonders auch bei Videospielen die vielen Anspielungen und Wortwitze. Und man muss für das Japanische den Kontext und die kulturellen Hintergründe sehr gut verstehen, um nur Anhand von Text mögliche Fehlübersetzungen zu vermeiden.

 

Du sagst, du machst auch Mangaübersetzungen. Wie kamst du in die Branche?

 

Ich bin vorerst von Spieleübersetzungen durch Angebote der Agenturen zur Übersetzung von Anime-Untertiteln gekommen, was allerdings für mich persönlich nicht sonderlich attraktiv war. Man hat viel zu wenig Zeit und ist viel zu stark eingeschränkt. Das machen Fan-Subber teilweise vielleicht besser.

Aber durch diese Gelegenheit bin ich auf den Dreh gekommen, dass mir Manga sicherlich viel Spaß machen würde und habe mich wieder über Initiativbewerbung und Probe-Übersetzung bei einem Verlag beworben und wurde dort auch genommen. Seitdem übersetze ich regelmäßig Manga, im Moment in dem Rhythmus wie sie eben in Japan rauskommen. Dadurch, dass ich das aber nur nebenbei mache und man für einen Manga so ca. einen Monat Zeit hat, generell nur einen Manga gleichzeitig. Ist auch gut für die Kontinuität und Qualität der Übersetzung!

 

Inwiefern unterscheidet sich das Übersetzen von Manga und Videospielen?

 

Das Übersetzen an sich unterscheidet sich nicht so stark. Man hat im Manga im Zusammenhang der Sprechblasen meist etwas kürzere Texte und Umgangssprache, was die Übersetzung sehr interessant macht.

Außerdem hat man viel mehr Onomatopötika, was teilweise sehr schwierig sein kann, denn die sind nicht nur im Text, sondern auch die SFX-Wörter außerhalb der Sprechblasen sind zu übersetzen und die sind oft von den Autoren frei ausgedacht.

Sonst unterscheidet sich das Übersetzen hauptsächlich auf technischer Ebene, da man den Manga eben in Papierform in der Hand hat, die Sprechblasen usw. beschriftet und das ganze dann in ein Textdokument bringt. Es gibt also meistens weitaus mehr Aufgaben als bei einer Spieleübersetzung.

Man muss sich zum Beispiel auch die Formatierung in der deutschen Ausgabe und vieles weitere überlegen. Dabei muss man zwar auch leicht auf die Länge achten, aber hat lange nicht so strenge Vorgaben wie bei Spieleübersetzungen. Das ist sehr angenehm. Und generell hat man eben doch mehr Zeit als bei Spieleübersetzungen, da es kein Gameplay oder irgendetwas gibt, was über schlechten Text hinwegtrösten kann. Die Übersetzung muss von der Qualität dadurch erste Sahne sein.

 

Was würdest du denen empfehlen, die überlegen Übersetzer zu werden?

 

Man sollte sein Sprachlevel in der Ausgangssprache auf ein „unnormales“ Level bringen. Nicht nur, um Erfolg bei Initiativbewerbungen zu haben, sondern auch, um sich das Leben als Übersetzer leichter zu machen. Da man von Japanisch-Deutsch nur bei relativ vielen Aufträgen gut leben kann, und auch eine entsprechende Qualität abliefern will, muss man wirklich relativ gut (oder eher effektiv?) sein, um mit dem Pensum hinterher zu kommen. Und sonst, viel lesen, in beiden Sprachen, denn um gut übersetzen zu können, müssen beide Sprachen gut sitzen, sowohl vom Ausdruck als auch von der Präzision her.

Dankeschön Lars, für die vielen tollen Infos!

 

Lars Bauer ist freiberuflicher Übersetzer und lebt seit fast 6 Jahren in Japan. Andere Leidenschaften: Kochen und Sake, bevorzugt in Verbindung miteinander. ;D

 

Wenn ihr noch mehr über das Thema hören wollt legen wir euch unser Video von der Tokyo Game Show 2018 ans Herz. Dort interviewe ich die Vanessa, die auch gerade einen Fuß in die Videospielübersetzung bekommen hat! Ihr findet es auf unserem Kanal: TOKYOmaniacs auf YouTube oder direkt hier drunter!

 

 

Wenn ihr euch auch die anderen Artikel zum Thema „Arbeiten in Japan“ ansehen wollt, dann schaut mal hier: 

Arbeiten in Japan – Mein Weg zum Job 

Arbeiten in Japan – Der japanische Weg 

Japanologen kriegen keine Jobs?  

Arbeiten in Japan – Der internationale Weg

 


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