Japan nach dem Krieg: Kurz vor Feierabend betrat ein unbekannter Mann eine Filiale der Teikoku Bank in Tokyo. Er überreichte seine Visitenkarte und stellte sich als Beamter des Gesundheitsamtes vor.

Die Sache sei dringlich, denn in der Gegend war die Ruhr ausgebrochen, wie es diese Tage immer wieder vorkam. Doch zum Glück hatte er ein Impfmittel dabei, um die Beschäftigten der Bank vor einer möglichen Infektion zu schützen. Also forderte er alle Anwesenden auf, das Mittel einzunehmen.

Doch was die Bankangestellten, die den Anweisungen des Offiziellen gehorsam folgten, nicht wussten, war, dass der Unbekannte in Wahrheit kein Beamter war und es sich bei dem, was sie einnahmen, auch nicht um ein Impfmittel handelte…

EIN HEIMTÜCKISCHER MORD

Bei der Flüssigkeit handelte es sich um ein langsam wirkendes Gift, das 12 der 16 Opfer tötete. Darunter auch das Kind eines Angestellten.

Der Unbekannte lähmte und tötete damit die anwesenden Personen in der Bank, um an Geld und Wertpapiere zu kommen. Seine Visitenkarte war echt, doch der Besitzer hatte ein handfestes Alibi. Es stellte sich heraus, dass er mehrere hunderte Visitenkarten mit anderen Personen ausgetauscht hatte.

Aufgrund dessen konnten einige Verdächtige ausfindig gemacht werden. Darunter Sadamichi Hirasawa, ein Maler, der teilweise an Geisteskrankheit litt. Sein Alibi war extrem schwach. Es bestand daraus, in der Nähe der Bank lediglich einen Spaziergang gemacht zu haben.

Zudem fand man, dass er auch leicht an das Gift gekommen sein konnte und ein ähnlich großer Geldbetrag, der in der Bank entwendet wurde, war in seinem Besitz gefunden worden. Auch hätten ihn 2 Zeugen erkannt. Alles deutete auf ihn hin und die Ermittler versuchten ihr Bestes ihn zu überführen, bis es schließlich zur ersehnten Lösung des Falls kam:

Hirasawa hatte ein Geständnis abgelegt. Er war verantwortlich für den Massenmord und weitere Banküberfälle, die ähnlich verliefen. Dafür wurde er zu Tode verurteilt. Der Gerechtigkeit war schließlich genüge getan worden.

 

DIE WENDE IM FALL

Doch nachdem Hirasawa in die Todeszelle geworfen wurde und auf den Tag seiner Hinrichtung warten musste, regten sich plötzlich Zweifel:

Hirasawa zog sein Geständnis zurück. Er behauptete, die Ermittler hätten ihn solange gefoltert, bis er schließlich alles gestand. Für die Zeit direkt nach dem zweiten Weltkrieg kein unübliches Verfahren. Bis 1949 war ein Geständnis allein ausreichend um jemanden zu verurteilen. Auch dann, wenn es unter Folter entstand.

Ein weiterer Grund sein Geständnis anzuzweifeln, war die Tatsache, dass er teilweise an einer Geisteskrankheit litt und kaum zurechnungsfähig war und ein Geständnis unter diesen Voraussetzungen auch keinen Wert hatte.

Auch die Geldsumme, die man bei ihm fand, wurden möglicherweise mit dem Malen pornografischer Kunst verdient, wie seine Unterstützer mutmaßten. Zudem hatten ihn nur 2 von 40 Zeugen wieder erkannt. Das Fahndungsfoto, dass die Polizei nach allen Aussagen anfertigte, sah ihm auch nicht ähnlich.

Auch regten sich berechtigte Zweifel an der Annahme, Hirasawa wäre an das Gift gekommen. Bei dem Gift handelte es sich laut Annahme der Ermittler um Kaliumcyanid. Dieses war schnellwirkend und tötete seine Opfer sofort.

Doch die Angestellten vegetierten einen längeren Zeitraum vor sich hin, bevor sie starben. Die Wirkungsweise dieses Giftes deutete auf ein Gift hin, das extra für diese Wirkungsweise entwickelt und vom Militär genutzt wurde. Also ein Gift, an das der Maler nicht gekommen sein konnte. Personen, die beispielsweise Zugang zu diesem Gift hatten, gehörten zum Kreis der berüchtigten Einheit 731.

JAPANS DUNKLE VERGANGENHEIT

Bei der Einheit 731 handelte es sich um eine militärische Einheit der kaiserlichen Armee Japans aus der Zeit des zweiten Weltkriegs. Aufgrund von Tests von biochemischen Waffen an Zivilisten und weiteren Experimenten an Menschen mit Krankheitserregern wie Milzbrand und Pest wurden sie als Kriegsverbrecher verurteilt.

Doch nicht wenige gingen straffrei aus im Austausch um die wertvollen Forschungsergebnisse.

Es war also möglich, dass diese ehemaligen Militärs nach der Auflösung der kaiserlichen Armee wie von ihrem Herrn verlassene Samurai mit der selben hinterlistigen Grausamkeit durch Japan wüteten, wie sie es in den von Japan besetzten Gebieten taten. Und der Sündenbock, der für diese Verbrechen herhalten musste, war Hirasawa.

Hirasawa verbrachte derweil seine Tage in der Zelle und malte die Blumen, die er vor dem Fenster sehen konnte, da es ihm nicht erlaubt war, welche in der Zelle zu haben. Dafür wurden ihm dann echte Blumen in den Sarg gelegt.

IN DER TODESKAMMER

In Japan steht ein goldener Buddha vor der Todeskammer, in der der Verurteilte gehängt wird. Hier kann der Verurteilte mit sich und der Welt abschließen, bevor er gefesselt und seine Augen verbunden werden. Dann geht es zum Strick über einer Falltür. Diese Falltür ist verbunden mit drei Knöpfen im Nebenraum.

Nur einer der Knöpfe aktiviert die Falltür, so dass keiner der Henker weiß, wer die Person eigentlich getötet hat. Auch gibt es von dem Raum mit den Knöpfen aus kein Fenster, durch das man den Gehängten sehen könnte, um dem Toten nicht in die Augen sehen zu müssen. Ein Vorhang trennt den Todeskandidaten und die drei Beamten, die das Todesurteil vollstrecken müssen.

Jeder Tag konnte also Hirasawas letzter sein. In Japan wird dem Todeskandidaten nicht mitgeteilt, wann er sterben wird. Also konnte er sich nie sicher sein, ob seine Zeit gekommen war. Doch um das Todesurteil überhaupt vollstrecken zu können, brauchte es erst einmal die Unterschrift des Justizministers. Doch jeder Minister im Amt verweigerte sein Okay. Denn keiner war von seiner Schuld überzeugt.

TOD IN DER TODESZELLE

Der Fall wurde aber nicht noch einmal aufgerollt und so legte man von Seiten der Justiz den Mantel des Schweigens über die Sache. Bis Hirasawa schließlich nach über 30 Jahren Haft an Lungenentzündung im Gefängnishospital starb. Sein Sohn forderte zwar ein Wiederaufrollen des Falles, aber nachdem auch er verblichen war, erklärte man den Fall endgültig für „geschlossen“.

Bis heute kämpfen viele Menschen dafür, die Todesstrafe abzuschaffen und Japans Kriegsvergangenheit aufzuklären.

Ich hoffe euch hat der kleine Einblick in die Geschichte Japans gefallen! Wenn ja, schaut mal auf meinem Facebook vorbei! Hier ein paar Links zum Thema:

The Japantimes – Hirasawas Kunst

Daily Mail – Wie sieht es in der Todeskammer aus?

Besucht doch auch unsere restlichen Kanäle!

👉 YouTube: TOKYOmaniacs

👉 Instagram: dennysachs_tokyomania

👉 Facebook: Tokyo, der Moloch und Ich

👉 Twitter: Denny Sachs Tokyo (@renovalentin)

👉 Blogspot: Tokyo, der Moloch und Ich (alter sterbender Blog)


2 Kommentare

Christian Wittwer · 11. Mai 2018 um 20:05

Ein guter Beitrag. Ich selbst bin gegen die Todesstrafe. Zumal es uns Menschen nicht besser macht Verbrecher auf die gleiche Weise zu töten wie sie ihre Opfer. Viel mehr sollten es sehr lange Haftstrafen sein, damit der jeweilige Verbrecher darüber nachdenken kann was er verbrochen hat.

    Denny · 13. Mai 2018 um 10:11

    Ja, das stimmt. Die Form der Strafe ist archaisch und grausam und kann zu allem Überfluss auch immer wieder Unschuldige treffen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.