Lernen will gelernt sein.


Heute blicke ich einmal zurück auf mittlerweile 8 Jahre Japanisch-Lernerfahrung und drösel einmal all die Fehler auf, die ich persönlich gemacht habe auf meiner Odyssee ins Japanische.

Fehler, die du sicher auch machst und die dich daran hindern Japanisch zu können!

 

Todsünde Nummer 1: Du beginnst (nur) mit Höflichkeitssprache

Japanischlehrer sind immer sehr motiviert, wenn es darum geht ihren Schützlingen korrektes Japanisch beizubringen. Da ist es doch auch die beste Idee gleich mit der japanischen Höflichkeitssprache anzufangen, oder?

Denn wenn die Schüler doch schon Japanisch lernen, dann doch bitte ultimativ höflich. Da kann schließlich nichts schief gehen. Tja. 

Keigo: Da freut man sich.

 

Aufgrund des Idealismus deiner Lehrer sind nun also die ersten Dinge, womit du in Bezug auf Japanisch in Kontakt kommen wirst, Wörter und Sätze, die mit „-masu“ oder „-desu“ enden.

Also so gesehen kein Problem. Das ist alles schönes korrektes Japanisch. Nur ergeben sich (aus meiner beschränkten Sichtweise) dabei zwei Probleme:

Generell ist das Problem bei Höflichkeitssprache, dass der Einsatzbereich begrenzt ist auf Respektbeziehungen. Du und dein Chef, du und dein Kunde, du und ein Opa von der Straße.

Hier ist es notwendig höflich distanziert zu sein. Es kommt natürlich darauf an, wie deine zukünftige Lebensgestaltung aussieht. Aber für mich zeigt sich, dass ich in meinem Umfeld so gut wie nie sowas brauche. 

Wenn ich es doch brauche, lässt es sich relativ leicht grammatisch ableiten. Nun sehe ich aber immer wieder Leute, die auf ihrer anfänglichen Höflichkeitssprache hängen geblieben sind und mit dem kleinen Matz, der gerade sein Eis mümmelt, reden, als stünde der japanische Kaiser vor ihnen.

Für japanische Männer entsteht so der Eindruck, dass du zu „weibisch“ bist, da deine Sätze schon allein mit dem sanften, distanzierten „Watashi wa…“ anfangen und für Frauen wirkst du „süß“.

Aber nicht das positive „süß wie George Clooney“, sondern das Süß wie: „Der ist so knuddelig, dass ich den gleich friendzonen muss!“

Natürlich benutzen alle in Geschäftsbeziehungen das höfliche Ich-Pronomen und Höflichkeitssprache, aber außerhalb ist es meist unangebracht.

Gerade wenn du ein Austauschstudium machst, wirst du alles brauchen, nur keine Höflichkeitssprache. Zumindest bis auf ein paar beschränkte Einsatzmöglichkeiten bei kurzen Gesprächen mit Lehrern oder Professoren.

Keigo fehl am Platz: Mit jungen Leuten im Bücherladen.

 

Aber es gibt auch die grammatische Seite: Sehr viele japanische Verben sind regelmäßig aufgebaut und folgen einem klaren Muster.

Anstatt also dem Schüler erstmal die Regeln beizubringen, sich aus dem Infinitiv des Wortes weitere grammatikalische Formen (unter anderem auch die Höflichkeitssprache) selbst abzuleiten, werden meist die elementaren Grammatikregeln verschwiegen.

Von der Höflichkeitssprache wieder in den Infinitiv zu wechseln, um von dort auf andere grammatische Funktionen umzuleiten, ist unnötig kompliziert und verwirrt die meisten Schüler. 

Wenn du also irgendwie die Wahl hast, versuche einfach mit der normalen Wörterbuchform anzufangen und von da aus in alle nötigen grammatischen Funktionen umzuwandeln.

Also kein Grund, gleich mit dem Speziellen anzufangen und die allgemeinen Basics außer Acht zu lassen. Das bremst dein Lerntempo nur unnötig oder birgt die Gefahr für immer auf einer steifen Höflichkeitssprache hängen zu bleiben. Deswegen fang auch wirklich mit den Basics an.

 

Todsünde Nummer 2: Du lernst nicht nach dem „+1“ Prinzip

Jetzt kommen wir zur größten Schande eines typischen  Japanologiestudenten. Man ist eingebunden in diesen Unibetrieb, der einen natürlich zum Wissenschaftler ausbilden will, und dann steht man irgendwann da und kann Dinge sagen und schreiben wie: 

„Die Oppositionsgruppe gegen die Verfassungsänderung kommt zu dem Schluss, dass der soziale Frieden im Land gefährdet ist.“

  Aber man kann nicht sagen:

„Ich habe Hunger, ich sterbe gleich. Gib Pizza.“ (und zwar genauso)

Diese Sache war so präsent während meines ganzen Studiums, dass ich selbst nach Jahren des Lernens einfachste Floskeln und Konversationstechniken lernen musste.

Es ist mal kurz lustig Japanern random Dinge wie: „Verfassungsänderung“, „Krankenversicherung“ oder „häusliche Gewalt“ entgegenzuschmeißen, nutzt sich aber ganz schnell ab, wenn man die einfachsten Vokabeln nochmal nachschlagen muss.

Der Fehler war, dass ich nicht bedarfsorientiert gelernt habe und nicht nach dem „+1“ Prinzip. Auf Tofugu fand ich letztens einen guten Artikel darüber, dass nicht Qualität beim Japanischlernen helfe, sondern Quantität.

Denn Quantität erzeuge irgendwann Qualität, während Qualität allein ineffizient ist. Was aber am interessantesten war, war die Aussage, dass man Worte lernen soll, die einem eine „+1“-Wissenserweiterung geben.

Sind wir die +1 Vokabeln? Nein wir sind die Jäger!

 

Wenn ich gerade anfange Japanisch zu lernen und Wörter wie „Gerichtsbarkeit“ lerne, dann ist das keine „+1“-Vokabel auf der Skala, sondern schon eine „+10“-Vokabel.

Das bedeutet, dass ich die Vokabel so schnell wieder vergessen werde, wie ich sie gelernt habe. Ich muss also 10 mal so viel Aufwand hineinstecken als bei einem einfachen Wort.

Eine „+1“-Vokabel zeichnet sich aber dadurch aus, dass es in deinem Hirn plötzlich „Klick“ macht. Die Vokabel ist unmittelbar in dein Hirn eingebrannt und wird so schnell nicht mehr vergessen.

Das können Wörter sein, die du schon immer mal im Anime gehört hast, aber jetzt zum ersten Mal geschrieben siehst: „Klick!“

Oder wenn du die Kanji für Feuer und für Blume kennst und dann siehst, dass beide zusammengeschrieben „Feuerwerk“ (Feuerblume) bedeuten, macht es unmittelbar „Klick“.

Diese Sachen wirst du so schnell nicht mehr vergessen. Der Trick ist es jetzt, auf quantitative Weise sich mit so vielen „+1“-Vokabeln zu umgeben, dass es die ganze Zeit einen Wissenszuwachs gibt, der ausnahmsweise auch bleibt.

Wenn du die ganze Zeit Vokabeln vergisst, dann liegt das vielleicht daran, dass es sich nicht um „+1“-Vokabeln handelt, sondern eher um „+5“ oder „+10“-Vokabeln oder schlicht einfach Dinge sind, die du (jetzt) einfach nicht brauchst. 

Und irgendwann ist dein Wissensschatz so groß, dass die „+10“-Vokabel vom Anfang auch plötzlich „Klick“ macht. Also fang mit sinnvollen Vokabeln an und Sachen, die du dir gut ableiten kannst von dem, was du schon weißt. Später kannst du immer noch „Gerichtsbarkeit“ lernen, wenn du es denn wirklich brauchst.

👉 Der Artikel auf Tofugu zum selber lesen


Todsünde Nummer 3: Du lernst Kanji isoliert

Als wir angefangen haben zu studieren, hatten wir diese riesigen Listen an Kanji, in denen alle wichtigen und essentiellen Kanji zu finden waren, von denen die japanische Regierung sagt, dass du sie alle können musst um im „Alltagsleben“ durchzukommen. Soweit so sinnvoll. Eigentlich. 

Was dann aber passiert ist, war eine Irrlernfahrt von Kanji zu Kanji. Jedes Kanji wurde im Endeffekt allein für sich stehend gelernt mit allen Lesungen, die es hat.

Und die Anzahl der Lesungen beträgt im Schnitt etwa 2 oder 3. Ganz selten hat ein Zeichen wirklich nur eine Lesung. Den Vogel haben dann aber einige oft benutzte Kanji abgeschossen, die mit 10 oder mehr Lesungen aufwarteten. Vor allem wenn dann noch alle Verblesungen mitgezählt werden, wie transistive und intransistive Verben (die man sich eigentlich halbwegs ableiten kann). 

Siehst du hier ein Kanji isoliert? (Antwort: Nein)

 

Ein Kanji kann je nach Kontext anders gelesen werden. Wird es als Verb verwendet, wird es anders gelesen, als wenn es ein Substantiv oder ein Teil eines Substantives ist.

Das Resultat war, dass wir Studenten eine gigantische Liste gelernt haben, mit völlig nüchternen Fakten, die scheinbar völlig willkürlich aneinandergereiht wurden. Das ist fast so, als würdest du dir eine Liste mit zufallsgenerierten Zahlenreihen ausdrucken und versuchen die stur durch zu pauken. So was lässt sich super lernen. Nicht.

Tu dir also selbst einen Gefallen und lerne keine seelenlose Kanjiliste mit isolierten Kanji auswendig, es sei denn dein Leben hängt davon ab oder noch schlimmer: Es wird in der Prüfung abgefragt. 

Leider sind wir hier wieder beim Thema: „echtes Japanisch lernen“. Isolierte Kanji sind in freier Wildbahn furchtbar nutzlos.

Selbst wenn du aus den 5 Lesungen des Kanjis zufällig die Richtige rätst, weißt du immer noch nicht, was das Wort bedeutet. Setze deinen Kanjilernfokus also eher auf Vokabeln. Vokabeln, die auch wirklich gebraucht werden und eine feststehende Lesung haben (da sind wir wieder beim Thema: „+1“-Vokabeln).

Die meisten Substantive bestehen aus zwei Kanji. Also lerne lieber einfach die Lesung der Vokabel als alle 10 Lesungen der einzelnen Kanji. 

Ich sehe keine isolierten Kanji in der Lightnovel, du?

 

Eine Einschränkung kann man da aber noch machen. Bei den ersten essentiellen Kanji kannst du durchaus die Lesungen durchgehen, da sie wirklich oft gebraucht werden.

Aber nach 100-200 Kanji gibt dein Hirn sowieso von alleine auf und du bist wieder beim Problem dauernd Sachen zu vergessen.

Und jetzt mal ganz im Ernst: Japanische Schüler haben locker 10-15 Jahre Zeit, um halbwegs Kanji zu lernen, die das Leben braucht und sind gleichzeitig jeden Tag davon umgeben (und trotzdem vergessen viele Japaner selber viel).

Wir haben aber zum Lernen keine 10 Jahre Zeit (also ich zumindest nicht), sondern wollen den Kram in ein paar Monaten können. 

 

Todsünde Nummer 4: Du lernst nur einzelne Elemente der Sprache.

Japanisch ist eine Sprache, die man durchaus lesen kann, ohne sie sprechen zu können. Oder man kann sie sprechen, ohne auch nur ein Kanji lesen zu können.

Das Schriftsystem macht’s möglich. Machst du die Augen zu, ist Japanisch einfach nur eine Sprache zum hören und sprechen. Hier kannst du ganz easy Vokabeln und Grammatik lernen, ohne auch nur ein Schild auf der Straße lesen zu können. 

Gerade das Element der Konversation ist eigentlich ziemlich einfach, verglichen mit allen anderen Elementen. Generell sprechen Japaner immer sehr einfach und benutzen ein und dasselbe Wort für tausend Konzepte. Während man im Deutschen eher tausend Wörter lernt für ein und dasselbe Konzept (mit minimalen Abstufungen).

Du könntest das alles theoretisch lesen können, ohne es vorlesen zu können.

 

Theoretisch kannst du Japanisch ziemlich einfach verstehen. Oft reicht es einfach, die Schlüsselvokabel zu nennen und alle umstehenden denken sich den Kontext dazu. Partikel und anderen grammatischen Schnickschnack brauchst du meistens auch nie in realen Konversationen.

Japanisch kommt mir manchmal vor, wie eine „Ein-Wort-Sprache“. Zeig auf eine Blume: „Kirei!“ Reicht. Mehr brauchst du nicht. Irgendwas krasses passiert. Sag: „Yabai!“ Reicht.

Notfalls noch ein Verb ans Ende klatschen und die Konversation flutscht (schön ist das nicht, aber im Notfall sehr hilfreich).

Wenn man das so mitbekommt, dann besteht die Gefahr, dass man sich mit einem Element der Sprache zufrieden gibt und nur darauf lernt.

Dabei macht man den Fehler, die anderen Elemente auszulassen und zu vernachlässigen. Du hast dein ganzes Japanischlern-Dasein auf die Konversationskarte gesetzt? Schöne Schande, wenn du dann ein japanisches Formular allein unter Zeitdruck ausfüllen musst.

Du hast die ganze Zeit nur Kanji gelernt? Viel Spaß beim Smalltalk mit Japanern. Du hast die ganze Zeit Lesen geübt? Cool, schreib mal einen Aufsatz auf Japanisch.

Die Liste ließe sich noch weiter fortsetzen. Willst du Japanisch können, kommst du nicht drumherum, alle Elemente des Japanischen ernst zu nehmen. Die da wären:

  1. Leseverständnis
  2. Schreibkompetenz
  3. Kanjiwissen
  4. Vokabular 
  5. Hörverstehen 
  6. Konversation 
  7. Grammatik

Vielleicht gibt es noch eins zwei mehr, die mir gerade nicht einfallen. Vielleicht könnte man noch Kulturverständnis mit reinbringen oder sowas, aber das ist jetzt zu abstrakt für den Zweck diesen Blogs.

Und ja, alle Elemente greifen ineinander über und bedingen sich irgendwo auch gegenseitig. 

Es ist ein leidiges Thema, was man alles lernen muss, um gut Japanisch zu können. Selbst im JLPT (dem wohl bekanntesten Japanischtestverfahren) werden nur: Vokabular, Leseverständnis, Hörverstehen und Grammatik abgefragt (nicht mal Kanji, zumindest nicht isoliert mit allen Lesungen, sondern verpackt in den Vokabeln (also noch ein Grund um lieber Vokabeln zu lernen)).

Theoretisch könntest du die höchste Stufe des Testes schaffen, ohne auch nur Sprechen zu können (wie viele chinesische Testteilnehmer). 

Wenn ich das sehe, würde ich gerne alle meine Skillpunkte auf „Japanisch Lesen“ setzen.


Du kannst ja jetzt nochmal die Liste angucken und versuchen dich einzuschätzen.

Wo hast du deine Stärken und wo deine Schwächen? Und vernachlässigst du vielleicht ein Element? Meine ganze Japanischlernlaufbahn habe ich Konversationen gescheut, bis ich irgendwann endlich in verstärktem Kontakt mit Japanern gekommen bin.

Mittlerweile ist Konversation eine meiner wenigen Stärken geworden. Aber selbst ich habe noch viele Defizite, weil schon am Anfang die Basics nicht gestimmt haben und meine Japanischkenntnis ein einziger Flickenteppich ist. 

Wenn du also jetzt anfängst, dann lerne alles, am besten gleichberechtigt.

Du wirst natürlich deine Stärken und Schwächen haben, aber versuche alle Elemente auf einem gesunden Niveau zu halten. Und wenn dir das zu viel ist, dann lass dir eines gesagt sein:

Japanisch ist ein Fulltimejob. Man lernt es nicht mal „einfach aus Spaß“. Nicht umsonst kann man den Kram studieren und darf teuer Geld dafür in der VHS ausgeben. 


Todsünde Nummer 5: Du hast kein Ziel

Damit wären wir bei der Frage: Wofür lernst du die Sprache eigentlich?

Willst du nur mal ein paar Kana lernen, aus Spaß? Willst du später damit arbeiten oder Animes ohne Untertitel gucken?

Je nachdem solltest du deinen Ernst am Lernen anpassen. Willst du mit Japanisch arbeiten, dann musst du an deinem Japanisch arbeiten

Die Sprache ist einfach so fremd für uns in Mitteleuropa, dass es verdammt schwer ist, sie zu lernen. Der gesamte Kulturkreis ist anders und es lässt sich nichts einfach so ableiten.

Und die Verben stehen immer am Schluss! Mindblown! Wie geht denn das?

Dieses ganze Konstrukt Japan und Japanisch ist einfach so fremd, dass man verdammt viel Arbeit reinstecken sollte und sich die ganze Zeit neu motivieren muss. Ich persönlich habe immer das Gefühl, wenn ich einen Tag nicht lerne, dann vergesse ich alles.

Natürlich ist es in Wahrheit nicht ganz so schlimm, aber es ist nicht schlecht, es sich genauso vorzustellen. Lern regelmäßig und intensiv, sonst ist es wieder weg. Gilt bei allen Sachen im Leben, aber ganz besonders bei Japanisch. 

In Japan sagt man zu Manga „Comic“. Lol

 

Denn ganz ehrlich:

Für Chinesen und Koreaner ist es kein Thema Japanisch zu lernen. Die verstehen quasi gar nicht, was wir da ständig für Probleme haben.

Das ist in etwa so, wie Deutsche nicht verstehen können, warum Japaner das mit dem Englisch einfach nicht gescheit gebacken kriegen.

Ganz einfach: Die Situation ist wie bei Japanern mit Englisch, nur umgedreht. Die Kultur und ganze Denkstruktur der Sprache ist so fremd, dass man man sich nichts ableiten kann und einfach nur stumpf drauflos lernt in der Hoffnung, dass was hängen bleibt. 

Und in etwa so schlecht, wie der gemeine Japaner Englisch spricht, sprechen hier auch die gemeinen Ausländer schlechtes Japanisch. Das sind eigentlich zwei Seiten der selben Medaille.

Also musst du noch mehr Ernst in die Sache legen als bei deinem Französischunterricht.

Dazu hilft dir ein Blick auf dein Primärziel: Was willst du mit Japanisch? Dort leben und arbeiten? Uiuiui. Da brauchst du wirklich das ganze Programm.

Du willst deine Freunde beeindrucken? Da kann man gut tricksen, kein Problem.

Was auch immer dein Primärziel ist, du brauchst noch weitere Etappenziele. 

Du willst hier arbeiten? Dann melde dich beim JLPT-Test an. Verbindlich! Und poste es auf Facebook ganz groß und habe ein bisschen die große Schnauze dabei und sage, dass du den Test sowieso bestehen wirst. Das Prüfungsdatum und deine Freunde werden dir nochmal ordentlich in den Arsch kneifen, wenn du wieder keinen Bock haben solltest, deine Bücher aufzumachen.

Denn ab jetzt heißt es: SOS – Siegen oder Sterben. 

👉 Hier gehts zur JLPT Anmeldung. Viel Spaß. 


Todsünde Nummer 6: Du bist kein Idiot

Ich sah einst ein Video (welches genau weiß ich nicht mehr) von „Learn Japanese From Zero“. Der dicke Moderator sagte, dass nur Vollidioten richtig Japanisch lernen könnten.

Und er hat recht.

Idioten haben keine Angst etwas falsch oder sich zum Eimer zu machen. Der Idiot redet einfach drauf los, mit dem was er gelernt hat, fällt auf die Schnauze und steht sofort wieder auf, wie ein Stehaufmännchen. 

Natürlich geht es nicht wirklich um „Idiotie“. Das ist nur eine Metapher.

Die Aussage des Videos war: Habe keine Angst beim Sprechen. Mach Fehler und mach dich zum Affen. Ganz nach der „Quantität vor „Qualität“-Theorie aus der zweiten Todsünde geht es darum, jede Gelegenheit zum Sprechen und zum Anwenden der Sprache allgemein zu nutzen.

Du wirst scheitern und du wirst dämliche Dinge sagen. Aber na und? Du wirst mit der Zeit immer besser. Wie eine Flipperkugel wird dich dein Umfeld langsam auf deinen bestimmten und richtigen Weg korrigieren. 

Der Nihongo-Express fährt ein. Bitte Abstand von der Bahnsteigkante halten.

 

Wie sagte Arnold Schwarzenegger sinngemäß: „Bei allem was ich tat, nahm ich es in Kauf zu scheitern.“

Ich weiß nicht ob der dicke sympathische Moderator des YouTube-Kanals Schwarzeneggers „6 Rules of Success“ gelesen hat, aber genau das ist in seinem Statement vom „Idioten“ impliziert.

Ich habe bereits angesprochen, dass Konversation meine große Schwäche war. Doch das kam nicht von ungefähr. Ich hatte einfach die ganze Zeit Angst, etwas Falsches zu sagen oder mich zum Affen zu machen.

Ich wollte erst anfangen richtig Konversationen zu betreiben, wenn ich perfekt wäre. Doch um perfekt zu werden, musste ich doch erstmal sprechen üben. Hier tat sich eine unsichtbare Mauer auf, die mich am Erfolg hinderte. 

Der Idiot aber hat aber keine Angst zu scheitern. Er brabbelt wie ein Kind drauf los und spricht einfach.

Wenn es falsch ist, who cares? Wir alle haben irgendwann mal mit Sprechen angefangen und können es mittlerweile halbwegs unfallfrei. Und das, obwohl wir auf der Kindergartenrutsche den größten Scheiß von uns gegeben haben. 

👉 Da ich das Video selbst nicht mehr finde, poste ich hier seinen ganzen Kanal.  

 

Todsünde Nummer 7: Du lebst nicht wie ein Japaner

Erinnere dich mal daran, wie du Deutsch gelernt hast. Klar, durch Mama und Papa, Freunde und Lehrer. Du hast die ganze Zeit Sachen von deinem Umfeld aufgeschnappt und drauflos gebrabbelt. Irgendwann konntest du die Betonung. Und die Satzstruktur flutscht mittlerweile ohne nachzudenken. 

Doch es sind auch noch andere Quellen, mit denen du die Sprache gelernt hast. Hast du als Kind Bücher gelesen oder zumindest irgendwelche Texte? Dann hast du irgendwann ein Gefühl für Schreibstil bekommen und hast Metaphern und komplizierte Wörter gelernt, die du jetzt immer noch anwendest.

Du hast Fernsehen gesehen – oder um unserer heutigen Generation gerecht zu werden: du schaust YouTube oder whatever.

Selbst Englisch habe ich mit bescheuerten YouTube-Videos und Videospielen gelernt. Tja, all diese Quellen hast du dein Leben lang genutzt, um deine Sprache zu erlernen, ohne es wirklich zu bemerken. Warum tust du es jetzt nicht auch so? 

Lernen wie ein Kind… mit Kinderbüchern!

 

Erstmal: Umgib dich mit Muttersprachlern und lerne, was das Zeug hält. Für viele ist das jetzt natürlich einfach gesagt.

Nicht jeder wohnt in Frankfurt oder Düsseldorf, um mit Japanern zu sprechen. Dann weiche auf andere Felder aus. Geh den Weg über Social Media und versuche mit Japanern in Kontakt zu treten.

Das kann klassisch über Facebook gehen oder ganz untypisch über Plattformen wie Instagram oder Twitter. Je nachdem, was dir mehr liegt. Dazu musst du nur deine Social-Media-Faulheit aufgeben und dich von Facebook kurz loseisen. 

Ich habe vor vier Jahren mit Instagram angefangen (ich werde alt…) und habe mich von Anfang an auf die japanische Community gestürzt, wie es nur ging.

Und das, obwohl ich schon eine LKW-Ladung Japaner im Vorgarten geparkt hatte. Deswegen hatte ich mein Profil direkt 3-sprachig ausgerichtet und mich gezwungen, alles auch auf Japanisch zu schreiben. Ergebnis ist, dass 45% meiner Follower aus Japan kamen und auch regelmäßig bei mir kommentierten. (Mach ich jetzt nicht mehr, zu viel Stress! xD)

Dabei sage ich nicht mal, dass man besonders „elaboriert“ schreiben müsste. Schreibe am Anfang einfach so wie du es kannst. Ganz im Sinne der sechsten Todsünde musst du vorgehen wie ein „Idiot“.

Wie auch immer deine Abenteuer im Social Media aussehen, versuche die Japaner dann per Skype dran zu kriegen, wenn du jemanden gut genug kennen gelernt hast und dann hast du auch jemanden zum Sprechen. 

Lesen wie Japaner. Eine völlig neue Welt steht dir nun offen.

 

Ohne Fleiß kein Preis. Ansonsten sind vielleicht Events in den großen Städten, wo Japaner zugegen sind, eine gute Möglichkeit die Sprache zu üben. Die meisten Japaner freuen sich darüber, wenn jemand ihre Sprache spricht, auch wenn es nicht unbedingt gut ist.

Aber darum geht es ja nicht. Du musst nicht perfekt starten. Aber du musst erstmal überhaupt starten, um perfekt zu werden. 

 

BONUSTIPP

Zum Schluss habe ich noch einen Lehrbuchtipp. Denn du wirst sicher kein Video verstehen und kein Buch, wenn du nicht einen gewissen Grundstock an Wissen in dich aufgesaugt hast. Dabei hilft das altbekannte und bewährte Lernen. 

My body is ready! JLPT N2! (Und hoffentlich bald N1!)


Nihongo-So Matome ist eine Lehrbuchreihe, die alle JLPT-Levels abdeckt und dich auf den Test gezielt vorbereitet. Dementsprechend werden nicht alle Elemente des Japanischen abgedeckt, da vom Test selbst nicht alle Elemente abgefragt werden, wie weiter oben beschrieben. In den untersten Leveln (N5-N4) heißt die Reihe plötzlich: Nihongo Challenge und ist knallrosa. 

Je nach Leveln kann man sich das zulegen. Ich habe bereits den JLPT N3 abgelegt und die N3-Reihe hat mir gute Dienste geleistet. Es wurde sogar mehr vermittelt, als abgefragt wird im Test.

Damit liegst du also nicht falsch. Vor allem sind die Lektionen kurz und knackig und man hat am Ende immer einen Test, wo man gucken kann, ob man wirklich alles verstanden hat. 

Mangaskizzen machen alles besser


Kleine Mangadialoge (ich weiß, ihr liebt das) peppen die ganze Sache auf und bringen die kurzen Lektionen auf den Punkt. In den Dialogen kommen auch gleich die benutzten Vokabeln vor, damit man weiß, in welchem Kontext sie stehen.

Nur bedingt zu empfehlen

 

Was wir immer an der Uni benutzt hatten und ich nicht wirklich empfehlen kann, ist Minna no Nihongo. Dieses Buch setzt meiner Meinung nach zu sehr auf die Höflichkeitssprache und viele Wörter sind veraltet (zumindest in unserer Version). 

 

Ach Mark Miller, du alter Haudegen. Ich vermiss dich schon. Genauso wie Karl Schmitt. Auch wenn ihr mir nichts beigebracht habt! (ಥ_ʖಥ)

 

Unser Dozent erzählte uns eine Anekdote von einer ganz alten Auflage, wo eine Deutschlandkarte mit drin war. Aber Deutschland in den Grenzen von 1939 oder so. Nur mal so als Einwurf.

Ich hatte nicht das Gefühl viel damit gelernt zu haben. Gerade durch das zu höfliche Element wirkten alle Beispiele nicht so lebensecht und distanziert. Als Student konnte man mit den Situationen dort nicht so viel anfangen. Zumindest ist das meine Sicht. Andere Leute konnten damit vielleicht sogar gut lernen.

Das war dann erst mein Senf für diese Woche. Wenn euch gefällt, was ihr bei uns seht, dann folgt uns doch auch auf unseren anderen Kanälen. Einen YouTube-Channel haben wir auch aufgemacht und würden uns über eure Beteiligung freuen! Links zu allen Kanälen seht ihr unten!

Hier findest du mehr Denny, als du handlen kannst:

👉 YouTube: TOKYOmaniacs

👉 Instagram: dennysachs_tokyomania

👉 Facebook: Tokyo, der Moloch und Ich

👉 Twitter: Denny Sachs Tokyo (@renovalentin)

👉 Blogspot: Tokyo, der Moloch und Ich (alter sterbender Blog)

BONUS STAGE: JAPAN WILL AUCH SPRACHEN LERNEN!

Deutsch steht heute hoch im Kurs.
Willst dus Französisch mit Pierre oder Deutsch mit Paul?
Englischlernmaterial, wohin man sieht.
Der TOEIC will gemeistert werden
Business English gefällig? Oder E-Mail English? Oder Fachwörterbücher?
Die „Stay foolish“-Rede vom Jobs steht hoch im Kurs in Japan. Auf Business-Ebene war das sehr inspirierend.
Maskottchen dürfen natürlich nirgendwo fehlen!



12 Kommentare

Jakob · 4. April 2018 um 22:09

Hey Denny, schön geschrieben!
Ich bin gespannt wie sich dein Blog entwickeln wird.
Jakob

    Denny · 5. April 2018 um 15:29

    Dankeschön! Das ist echt super! Ab jetzt ist geplant wieder regelmäßig Blogbeiträge zu bringen und auch aktiv auf YouTube zu sein. Ich hoffe du bleibst uns gewogen. Nächste Woche wird übrigens Senpai auf YouTube enthüllt. 😉

Ai · 5. April 2018 um 11:45

Danke für den Blog 😀 ich lerne japanisch selbst und weiß nie was man nun für den N5 Test braucht.
Hab mal nach den Nihongo challenge Bücher geguckt und wollte mal fragen ob N4 dann gleich N5 ist! Oo weil N4-5 gibt es nur für Kanji. Bin etwas verwirrt oO
Und in den Büchern gibt es dann nur die Höflichkeitsformen? D:
Danke schon mal 🙂

    Denny · 5. April 2018 um 15:39

    Ich glaube bei der Nihongo Challenge Reihe gibt es manche Bücher nicht als N5, weil beim N5 üblicherweise so wenig verlangt wird, dass man da noch nicht einmal Grammatik hat. Da kann man dann zum N4 greifen. Den N5 kann man fast schon schaffen, wenn man Kana gelernt hat und die ersten Kanji, plus paar Phrasen. Ich habe leider nicht mehr im Kopf, wie genau die Übungen bei Nihongo Challenge sind, aber dort sollte es kein großes Problem mit der Höflichkeitssprache geben, solange du im Hinterkopf behälst direkt zu lernen, wie du aus der Wörterbuchform die Verben flektierst (Bsp. Wörterbuchform für essen (tabe-ru), –> Höflichkeitsform für essen (tabe-masu) oder Verneinung für essen (tabe-nai) –> Höflichkeitsform für Verneinung von essen (tabe-masen). Ich denke, das sollte Inhalt von N4 Grammatik sein. Wenn du also immer gleich von der Normalform der Verben ausgehst, wirst du dir jede andere Form ableiten können und es leichter haben zu Lernen und viel schneller sein, als andere, die nur mit Höflichkeitsform lernen.

Andi · 5. April 2018 um 15:31

Ach Minna no Nihongo. Eigentlich gar nicht so schlecht… falls man Mike Miller heisst und bei ABC Corp anfangen will. Dann kann man die masu Formen sicher gut brauchen. Hatte dieses Lehrmittel in der Volkshochschule auch. Im 2. Jahr japanisch lernen war ich dann das erste Mal in Japan und stark überrascht als ich die eigentlich bekannten Verben nicht ganz verstand als Mädels in der Disco mit mir flirteten. Pech.

    Denny · 5. April 2018 um 15:43

    Genau, das war auch mein Problem. 😉 Aber es ist viel einfacher erstmal fix die Wörterbuchformen zu lernen und von dort aus in alle Formen umwandelt. Das wäre ein intelligenter Ansatz… Da müsste man aber als Lehrbuch/Lehrer in Kauf nehmen, dass die Lernenden nach der ersten Lektion noch nicht sofort was sagen können… Vielleicht kommt das schlecht an.

    Andi · 5. April 2018 um 15:47

    Aber die Originalvideos von Mina No Nihongo sind witzig. Mein Favorit ist Santos-san.

    https://vk.com/videos-64033806?z=video-64033806_168340272%2Ff06ae1ef9c02704d45%2Fpl_-64033806_-2

      Denny · 5. April 2018 um 15:52

      Haha! An der Qualität der Videos erkennt man schon, wie angestaubt das Buch ist! xD Aber sie versprühen einen gewissen Charme, also kein Wunder warum die Reihe früher so beliebt war. 😀

Michelle · 6. April 2018 um 20:56

Als ehemalige Japanologiestudentin musste ich doch an der ein oder anderen Stelle schmunzeln 😉
Miller-san wird wohl nie in Vergessenheit geraten…

    Denny · 8. April 2018 um 13:44

    Miller-san wird für immer in unserem Herzen weiterleben. 😀 xD Ja, als Japanologiestudent musste man echt viel mitmachen…

Japanisch lernen mit YouTube Japan – TOKYOmaniacs · 14. Mai 2018 um 4:53

[…] hast meine Tipps aus dem Artikel: Warum du kein Japanisch kannst – die 7 Todsünden beim Lernen ernst genommen und hast dich verbindlich für den JLPT-Test angemeldet? Oh […]

Babsi taucht ab (Mai 2018) • BlueSiren · 31. Mai 2018 um 17:01

[…] Eine neue Sprache zu lernen ist echt schwierig. Vor allem Japanisch wirkt sehr komplex – welche häufigen Fehler du beim Lernen vermeiden kannst, erklären dir die fabulösen Tokyomaniacs! […]

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